Fünf aufsehenerregende Stephen King-Verfilmungen

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Stephen King und kein Ende! Noch nie war der Meister des Makabren so beliebt wie heute. Kein Autor seiner Generation hatte einen größeren Einfluss auf das Horrorgenre als er. Die Zahl der Verfilmungen seiner mehr als 50 Romane für Kino und Fernsehen steigt immer schneller.  Viele von ihnen wie „Der Rasenmähermann“, „Kinder des Zorns“ oder „The Mangler“ sind allerdings kaum der Rede wert. Andere gehören zu den Besten, was das Genre zu bieten hat.

Soeben ist in den deutschen Kinos „Es Kapitel 2“ angelaufen. Anlass für uns, noch einmal einen Blick auf einige der besten King-Verfilmungen zu werfen. Natürlich ist diese Auswahl subjektiv und beruht letztlich auf persönlichen Vorlieben. Andere Verfilmungen wie „Misery“, „Es“ (2017), „The Mist“, „Dolores“ oder das Coming-Age-Drama „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ stehen den ausgewählten Filmen in nichts nach und sollen deshalb hier wenigstens erwähnt werden.  

The Shining (1980)

Regie: Stanley Kubrick

Storyline:

“Was du heute kannst besorgen, verschiebe besser nicht auf morgen!“ Zigmal schreibt Jack Torrance (Jack Nicholson) diesen Satz auf seiner klapprigen Schreibmaschine, ehe er sich daran begibt, seine „Besorgungen“ zu erledigen.

Mit seiner Ehefrau Wendy (Shelley Duval) und seinem telepathisch veranlagten Sohn Danny (Danny Lloyd) im Schlepptau hat es den frustrierten Schriftsteller in das unheimliche „Overlook-Hotel“ verschlagen, wo er für die Wintermonate einen Job als Verwalter angenommen hat. In der Einsamkeit der sublimen Bergwelt hofft er seinen unvollendeten Roman endlich fertigschreiben zu können. Bevor das „Overlook“ für die Familie Torrance geräumt wird, informiert der Manager (Barry Nelson) noch Jack, dass ein früherer Hausverwalter verrückt geworden sei und seine Familie abgeschlachtet habe. Jack meint, dass sei kein Problem. Doch die Visionen, die seinen Sohn Danny schon bald befallen, sprechen eine andere Sprache.

Während man sich in seinem Alltag einrichtet, fährt Danny mit seinem Big Wheel auf den leeren Korridoren herum und spielt mit Wendy im Irrgarten vor dem Hotel. Derweil hat Jack seine Zelte in einer Lounge aufgeschlagen und die Familie angewiesen, ihn auf keinen Fall zu stören. Dannys Alter Ego „Tony“, beginnt vor dem mysteriösen „Redrum“ zu warnen, während der Fünfjährige immer häufiger von blutgetränkten Visionen vergangener Ereignisse heimgesucht wird. Als Jack, der eine Schreibblockade hat, die Hotelbar aufsucht, erlebt er seine eigenen Visionen. Dann entdeckt Wendy, die durch das Verhalten ihres Mannes und Dannys Besuch im verbotenen Zimmer 237 erschreckt ist, bald darauf, was Jack wirklich den ganzen Tag in seinem Arbeitszimmer treibt und was das unheimliche Hotel aus ihm gemacht hat. Ein wahrer Albtraum beginnt, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.      

Kommentar:

Stephen King hat diese Verfilmung gehasst, mehr als jede andere. Die Kritiker haben sie gefeiert; auch die Fans mögen sie bis heute. Zu Recht. Denn „The Shining“ ist einer der besten Horrorfilme aller Zeiten. Unter der Regie von Stanley Kubrick entstand hier ein hypnotisches, zutiefst verstörendes Werk. Mit erstaunlichem visuellem Flair, bedeutungsschwerer Symbolik und einem tiefen, dunklen Gefühl der Vorahnung erzählt Kubrick eine fesselnde Geschichte über Einsamkeit, Wahnsinn und bösartige Geister.

Der Film ist hervorragend besetzt. Nur wenige vermögen einen psychotischen Gewalttäter so überzeugend zu spielen wie Jack Nicholson. Auch Shelley Duvall als Ehefrau Wendy verdient höchstes Lob. Der verstorbene Scatman Crothers verleiht dem Geschehen Ernst und Würde. Und „Tony“, das Alter Ego des jungen Danny, ist wahrlich gruselig anzuhören, besonders, wenn er das Messer schwingt und dabei „Redrum“ singt.

Horrorfilme, die sowohl clever als auch verstörend sind, gibt es heute kaum noch. „The Shining“ ist beides und gehört deshalb zu den seltenen Verfilmungen, die genauso gut, wenn nicht sogar besser als ihre literarische Vorlage sind.  

Dead Zone – Der Attentäter (1983)

Regie: David Cronenberg

Storyline:

Der Gymnasiallehrer Johnny Smith (Christopher Walken) führt in der Kleinstadt Castle Rock in Maine ein glückliches Leben. Nicht zuletzt, weil er in seine hübsche Kollegin Sarah Bracknell (Brooke Adams) verliebt ist, die er bald zu heiraten gedenkt. Doch nach einem Autounfall fällt er in ein fünf Jahre währendes Koma. Als er erwacht, hat sich die Welt verändert. Sarah hat mittlerweile einen anderen Mann geheiratet, mit dem sie eine Tochter hat. Dann stellt Johnny fest, dass er die übersinnliche Gabe hat, Menschen durch Berühren oder Handauflegen vorherzusagen, was ihnen passieren wird. Mehr noch: Indem er ihnen sagt, was geschehen wird, kann er ihre Zukunft verändern, wenn die Gewarnten ihm Glauben schenken. So rettet er einem Jungen das Leben und hilft dem Sheriff der Stadt, einen Serienkiller zu fassen.     

Nach einer Begegnung mit dem radikalen Senator Greg Stillson (Martin Sheen) bedrückt Johnny die alptraumhafte Vision, dass der Politiker als zukünftiger Präsidenten das Land in einen Atomkrieg stürzen wird. Um das zu verhindern, bereitet Johnny ein Attentat auf Stillson vor. Bei einer Wahlkampfveranstaltung will er den Demagogen mit einem Gewehr erschießen. Doch die Dinge kommen anders als erwartet.

Kommentar:

Cronenbergs „Dead Zone“ – Der Attentäter“ macht, was nur guten Horrorstreifen gelingt: Er lässt uns vergessen, dass es übernatürliche Vorgänge sind, um die es hier geht. Wie „Rosemaries Baby“ und „Der Exorzist“ erzählt er seine Geschichte so glaubwürdig, dass wir ihm seine kleinen Tricks nicht nur verzeihen, sondern auch akzeptieren. Johnnys übersinnliche Gabe, Dinge vorauszusagen und zu verändern, stellt ihn natürlich vor das Problem, den Menschen zu erklären, woher er denn weiß, dass geschehen wäre, was nun doch nicht eingetreten ist. Schlechtere Filme hätten dieses Kontingenzdilemma wohl einfach ignoriert und auf krude Schockeffekte gesetzt. Cronenberg dagegen baut seine Prämisse ganz darauf auf.

Wie man das Grauen wirkungsvoll auf der Leinwand inszeniert und faszinierende dreidimensionale Figuren erschafft, hatte der kanadische Regisseur bereits in seinen früheren Filmen wie „Die Brut“ oder „Parasiten-Mörder“ demonstriert. Zudem ist der Film glänzend besetzt. Allen voran mit einem überragenden Christopher Walken, der den emotionalen Krüppel Johnny Smith eindringlich und überzeugend spielt. Da vergisst man nur allzu leicht und gerne, dass dies ein Science-Fiction-Film, Psychothriller oder sonst was ist, und glaubt dem außeralltäglichen Propheten Johnny ganz einfach seine Geschichte.

Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)

Regie: Brian De Palma  

Storyline:

Carrie, ein schüchterner, verschlossener Teenager, entdeckt, dass sie über paranormale Kräfte verfügt, die sie einsetzt, um sich vor den Übergriffen ihrer fanatisch-religiösen Mutter und den sie mobbenden Klassenkameraden zu schützen. Als eine freundliche Mitschülerin Carrie zum Abschlussball einlädt, ist sie fest entschlossen, sich trotz der Warnungen ihrer Mutter zu amüsieren. Alles scheint zunächst gut zu gehen. Und Carrie staunt nicht schlecht, dass sie zur Ballkönigin gekrönt wird. Doch ihre Freude schlägt schon bald in tödliche Wut um, als ihre Peiniger ihr einen grausamen Streich spielen.  

Kommentar:

Lange hat Hollywood nicht gebraucht, um festzustellen, dass es mit Erfolgsautor Stephen King eine wahre Goldmine entdeckt hat, wenn es um Horrorfilme geht. Schon zwei Jahre nach Erscheinen des Debütromans kam seine Verfilmung in die Kinos.

Brian De Palma machte aus Kings Geschichte über Mobbing an einer Highschool und die telekinetische Wutenergien eines pubertierenden Mädchens eine Art Heist Movie: Das gedemütigte Opfer sperrt kraft seiner übermächtigen psychokinetischen Kräfte seine Peiniger ein, um diese einen nach dem anderen abzuschlachten. Trotz eines Remakes aus dem Jahre 2013 bleibt De Palmas blutige Orgie wegen ihrer mit sicherer Hand vollendeten, bildgewaltigen Inszenierung, in der sich Romantik, schwarzer Humor und gruselige Spannung zu einer effektvollen Melange verbinden, die definitive Version. Sissy Spaceks Darstellung der Titelrolle ist makellos. Sie war 27 Jahre, als der Film gedreht wurde, sieht aber kaum halb so alt aus. Diese widerstreitende Kombination aus Reife und Unschuld hat gewiss auch zu dem verstörenden Ton des großartigen Films beigetragen.

Die Verurteilten (1994)

Regie: Frank Darabont

Storyline:

Der Banker Andy Dufresne (Tim Robbins) wird unschuldig wegen Doppelmordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, die er im gefürchteten Shawshank State Prison in Main verbüßen soll. Hier trifft er auf den ebenfalls zu lebenslänglicher Haft verurteilten Elis „Red“ Redding (Morgan Freeman), mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verbindet. Schnell lernt Andy die hässlichen Realitäten des Gefängnislebens kennen: Der Gefängnisdirektor Samuel Norton (Bob Gunton) ist korrupt, die Wachen unter der Leitung des Oberaufsehers Byron Hadley (Clany Brown) bösartige Sadisten, während die meisten Mithäftlinge ihre Dominanz mit Vergewaltigung und brutaler Gewalt gegenüber ihren Mithäftlingen sichern. Auch Andy gehört anfangs zu ihren Opfern, doch er bricht entgegen Reds Erwartung nicht zusammen. Dank seiner Intelligenz und Bankfachkenntnisse gewinnt Andy rasch die Gunst des Gefängnisdirektors, für dessen illegalen Geschäftsmodelle er die Bücher führt. Auch für die Wachen, denen er auf vielfache Weise nützlich ist, wird er schon bald unentbehrlich. Im Gegenzug dafür erhält Andy einen gewissen Freiraum, den er dazu nutzt, um die Ausstattung der Gefängnisbibliothek zu verbessern und vielen Häftlingen, einschließlich Red, zu etwas mehr Würde und Respekt zu verhelfen. Vor allem aber auch, um seinen Ausbruch zu planen.    

Kommentar:

Frank Darabonts Film „Die Verurteilten“ floppte 1994 an den Kassen, gilt inzwischen jedoch seit Jahren als beliebtester Film überhaupt. Er ist kein „Gefängnis-Drama“ im herkömmlichen Sinn des Worts. Es geht nicht um Gewalt, Unruhen oder Melodramen, sondern darum, wie zwei zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilte Männer, Freunde werden und einen Weg finden, sich der Verzweiflung zu erwehren, mit der sie tagtäglich konfrontiert werden.

Tim Robbins und Morgan Freeman glänzen in ihren Hauptrollen als Andy und Red. Im mittleren Teil bewegt sich die Geschichte nur langsam, ganz so, als wollte der Film dem Zuschauer ein Gefühl für die bleierne Zeit einer lebenslänglichen Haft vermitteln, bevor es zur endgültigen Erlösung der Protagonisten kommt.

Trotz mancher bedrückenden Szenen erzählt „Die Verurteilten“ keine deprimierende Geschichte, sondern ist voller Leben, hat Humor und viel menschliche Wärme, die sich in der Freundschaft zwischen Andy und Red zeigt.  Außerdem hat der Film auch seine spannenden Momente, wenn auch nicht dort, wo man sie erwartet. Vor allem aber ist er eine berührende Allegorie über die Notwendigkeit des Festhaltens an der eigenen Identität und den persönlichen Werten auch und gerade in schweren Zeiten. 

Friedhof der Kuscheltiere (2019)

Regie: Kevin Kölsch/Dennis Widmyer

Storyline:

Dr. Louis Creed ist vom hektischen Leben in der Großstadt enttäuscht. Gemeinsam mit seiner Frau Rachel (Amy Simetz) und den beiden kleinen Kindern Ellie (Jeté Laurence) und Gage (Hugo und Lucas Lavoie) zieht er in eine verschlafene Kleinstadt, wo er eine Stelle in der Notfallambulanz angenommen hat. Zu den Nachbarn der Creeds gehört vor allem Jud Crandall (John Lithgow), ein liebenswürdiger älterer, aber etwas geheimnisvoll wirkender Mann. Hinter dem Haus der Creeds befindet sich ein Tierfriedhof, wo die Kinder von Ludlow ihre verstorbenen Kleintiere in einer Zeremonie nach heidnischer Art begraben. Doch es gibt noch etwas anderes, das sich tief in den dichten Wäldern befindet, jenseits eines mächtigen Wildbruchs, der das tierische Gräberfeld begrenzt: Eine alte, sagenumwobene Begräbnisstätte der Micmac-Indianer, von wo aus angeblich Tote ins Leben zurückkehren können.

Die Creeds beunruhigen solche Geschichten zunächst nicht, bis auf Rachel, für die das Thema Tod wegen des traumatischen Verlustes ihrer älteren Schwester schwierig ist. Immer wieder wird sie von Visionen ihrer kranken Schwester heimgesucht.  Doch dann wird Church, Ellies geliebter Kater, von einem Monstertruck überfahren und eine Reihe tragischer Ereignisse nimmt ihren unheilvollen Lauf. Der alte Jud möchte Ellie vor der grausamen Wahrheit beschützen, dass ihr geliebtes Tier tot ist. Er überredet Louis, den Kadaver heimlich auf dem Tierfriedhof zu begraben. Am nächsten Tag kehrt Church als zerzauster, bösartiger und übelriechender Kater zurück, den Ellies aus ihrem Zimmer verbannt. Und die quälende Frage, die sich schon bald stellen wird, ist: Übt der sinistere Begräbnisort seine Wirkung etwa auch auf tote Menschen aus?

Kommentar:

Das Regie-Duo Kevin Kölsch und Dennis Widmyer hat sich bei diesem Remake ziemlich viele Freiheiten genommen. Nicht zuletzt deshalb ist ihnen ein Film gelungen, der der Version aus dem Jahre 1989 in mehrfacher Hinsicht überlegen ist. Ihr „Friedhof der Kuscheltiere“ ist durchgängig verstörender, nervenaufreibender, schwermütiger und enthüllt eine fundamentale Wahrheit:  Selbst den Nüchternsten unter uns gelingt es häufig nicht, die Vergangenheit ruhen oder einen lieben Verstorbenen los zu lassen.

Zudem überzeugt der Film mit einer besseren Besetzung, allen voran Jason Clarke als streng rationaler Familienpatriarch Louis, der nicht an ein Jenseits glaubt. Bis er entdeckt, dass man auf dem Tierfriedhof hinter seinem Haus Tote wieder zum Leben erwecken kann. Eine Entdeckung, die den Weg zur Hölle freimacht.

Foto: https://pixabay.com/

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