Filmkritik THE BEACH BUM

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Der US-Regisseur Harmony Korine gefällt sich offensichtlich immer wieder gerne in der Rolle des Provokateurs. Vor einem Vierteljahrhundert schrieb er das Drehbuch für den Skandalfilm „Kids“. Seine eigene Regiearbeit „Trash Humpers“, wo verwahrloste Rentner mit Mülltonnen kopulieren, lief lediglich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 2012 sorgte bei den Filmfestspielen in Venedig sein Film „Spring Breakers“ für ratloses Aufsehen.  

Jetzt ist Korine mit seinem neuen Film THE BEACH BUM zurück, einerangeblichen Komödie, die ähnlich wie sein Vorgänger Publikum und Kritiker wohl spalten dürfte. Im Mittelpunktsteht diesmal Moondog (Matthew McConaughey), ein abgehalfterter, hedonistischer Kiffer, der seinen Tag am liebsten damit verbringt, Trips reinzuschmeißen und coram publico Sex mit anderen Frauen zu haben.

Außerdem besitzt er ein Schiff mit dem anzüglichen Namen „Well Hung“, lebt in Florida und ist ein selbsternannter Dichter. Seinen aufwändigen Lebensstil kann sich Moondog leisten, weil dieser von seiner steinreichen Frau Minnie (Isla Fisher) finanziert wird. Warum? Minnie liebt Moondog abgöttisch und bewundert seine Genialität und Brillanz. Die Antwort, worin die Genialität des Kiffer-Poeten besteht, bleibt der Film freilich schuldig.

Als Minnie, die eine Affäre mit einem von Snoop Dogg gespielten Rapper hat, bei einem Autounfall ums Leben kommt, entdeckt Moondog, dass sie ihm ein beträchtliches Vermögen hinterlassen hat. Das kommt allerdings nur dann zur Auszahlung, wenn er seinen seit Jahren halbfertigen Gedichtband endlich abschließt und veröffentlicht.

Moondog (Matthew McConaughey) crasht die Hochzeit seiner Tochter Heather (Stefania LaVie Owen). Foto: Constantin Filmverleih

Der überwiegende Teil des Films erschöpft sich in einer Reihe merkwürdiger Bekanntschaften, die Moondog macht, während er seine Schreibmaschine mit sich herumschleppt und ausgiebig kifft. Da ist Flicker (Zac Efron), der schrille Sohn eines Predigers, den Moondog in einer Rehabilitationsklinik kennenlernt, aus der beide ausbrechen und einen Rollstuhlfahrer berauben. Dann gibt es Lewis (Jonah Hill), Moondogs Literaturagent, einen Südstaatler, der harte Drogen nimmt und auf dem Golfplatz allerlei Obszönitäten von sich gibt.

Jimmy Buffet lungert herum und trinkt Margaritas, umgeben von einer Schar kichernder, halbnackter Frauen. Martin Lawrence hat einen halluzinationsartigen Auftritt als Kapitän Wack, der mit seinem klapprigen Boot Touristen in den Keys zu Delphin-Beobachtungen bringt. Doch kaum treten er und sein koksender Papagei in Erscheinung, sind sie schon wieder verschwunden, so dass man sich fragt, was die Szene, der man eine gewisse skurrile Komik nicht absprechen kann, eigentlich soll. Und dann gibt es noch einen blinden jamaikanischen Piloten, der seine Maschine steuert und dabei einen riesigen Joint raucht.

Ärgerlich ist, dass Harmony Korine von den schönen, sich selbst genügenden Bildern seines Films zu glauben scheint, diese hätten per se irgendeinen künstlerischen Wert. Haben sie aber nicht. Denn der dürre Plot von THE BEACH BUM kommt über eine geistlose Verklärung eines hippiesken Lebensgefühls nicht hinaus, das in der Vergangenheit seinen Charme gehabt haben mochte, 2019 jedoch nicht mehr funktioniert. Die Zeit langweiliger Hippie-Veteranen, die es schaffen, nichts zu tun und dafür mit Lob und Verehrung überhäuft werden, ist vorbei. Solche Geschichten hat man zigmal gesehen. Besser werden sie durch ihre Wiederbelebung nicht, sondern höchstens erbärmlicher.

Moondog (Matthew McConaughey) und Lingerie (Snoop Dogg) in BEACH BUM.
Foto: Constantin Filmverleih

Marihuana in geringen Mengen und zum Eigenbedarf gebraucht, ist mittlerweile in etlichen US-Bundesstaaten und Kanada legalisiert. Und trotzdem ist die Welt im Zuge dieses Wandels von der Prohibition zum legalen Freizeitpaffen weder im Wahn zugrunde gegangen noch besser geworden. Das Stoner-Movie ist deshalb definitiv ein Auslaufmodell. Vielleicht wäre es deshalb an der Zeit, dieser Veränderung der allgemeinen Stimmung auch auf der Leinwand Rechnung zu tragen.

Ab 28.3.2019 in den Kinos

Titelfoto: Constantin Filmverleih

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