Filmkritik – ALITA: BATTLE ANGEL

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Eigentlich hat der Film ALITA: BATTLE ANGEL alle Ingredienzen für einen gewaltigen Erfolg. Produzent und Co-Autor ist kein Geringerer als James Cameron, Robert Rodriguez führte Regie. Er beruht auf der erfolgreichen Manga-Serie des japanischen Comic-Zeichners Yukito Kishiro, ist mit Schauspielern wie Christoph Waltz und Mahershala Ali erstklassig besetzt und verfügte mit 200 Millionen Dollar über ein gigantisches Budget. Zudem kam eine aufwändige CGI-Technik zum Einsatz, die das für seine digitalen Spezialeffekte bekannte neuseeländische Unternehmen Weta Digital beisteuerte.
Leider triumphiert hier die ästhetische Form über die Substanz, so dass ALITA: BATTLE ANGEL ein eher durchschnittlicher Actionfilm bleibt, der über zugegeben eindrucksvolle computer-generierte Bilder nicht hinauskommt.

Die Geschichte spielt im Jahre 2563 an einem düsteren, dystopischen Ort namens Iron City, in dem „Motorball“, eine körperbetonte Mischung aus Rollerblading und Basketball, der Lieblingszeitvertreib der Menschen ist. Die jungen Leute spielen den brutalen Kontaktsport auf der Straße. Auf professioneller Ebene zieht er die Massen in die Riesenarena der Stadt, wo das Spektakel den Anstrich blutiger antiker Gladiatorenkämpfe erhält.

AlitaZalem, die Himmelsstadt ragt über Iron City © 2019 Twentieth Century Fox

Mahershala Ali spielt Vector, den schändlichen Sport-CEO, der diese Wettkämpfe organisiert und den Kombattanten aus seiner privaten Loge heraus schon mal befiehlt, einen Konkurrenten während des Spiels zu töten. Vektor ist in dieser düsteren Ruinenstadt ein sehr mächtiger Mann, der im Gegensatz zu vielen anderen kein Interesse daran hat, zu den Eliten der Himmelsstadt Zalem aufzusteigen, die hoch über Iron City schwebt.

„Besser ist es, in der Hölle zu herrschen, als im Himmel zu dienen“, zitiert er Miltons „Das Verlorene Paradies“.

Alita© 2019 Twentieth Century Fox

Zu den aufstrebenden Motorball-Spielern zählt vor allem Alita, ein weiblicher Cyborg mit riesigen, sanften Rehaugen, der allenthalben durch seine große Schnelligkeit und überragenden kämpferischen Fertigkeiten auffällt. Einst hatte der Tüftler Dr. Ido (Christoph Waltz) Alitas Hülle auf einem Schrottplatz geborgen, sie mit Hilfe von allerlei Metall und Stromkreisen zu neuem Leben erweckt und sein Geschöpf nach seiner ermordeten Tochter genannt.

Alita (Rosa Salazar) hat zunächst keine Erinnerungen daran, wer sie ist oder einmal war. Erst allmählich und mit Hilfe von Ido wird sie sich bewusst, dass sie vor vielen Jahrhunderten eine große Kriegerin in Zalem war.

Christoph Waltz lässt eine neue Alita entstehen. © 2019 Twentieth Century Fox

Die martialische Vergangenheit seiner Heldin ist auch die Erklärung für die überragenden kämpferischen Fertigkeiten, über die Alita verfügt und die sie zunächst beim „Motorball“ auf der Straße, dann in der großen Arena und mit wachsender Effizienz und Perfektion schließlich für die Rettung der Welt einsetzt.

Der Hauch einer philosophischen Frage kommt auf, als Alita Hugo kennenlernt, einen Jugendlichen, der mit dubiosen, von Vector kontrollierten Organhandelsgeschäften sein Geld verdient und hofft, eines Tages den Aufstieg zu Zalem zu schaffen. Hugo bewundert Alita wegen ihrer Kampftechniken, wie umgekehrt Alita Zuneigung für Hugo entwickelt.

„Kann ein Cyborg einen Menschen lieben?“, fragt sich Alita an einer Stelle, ohne, ebenso wenig wie der Zuschauer, eine Antwort zu erhalten.

Hugo und Alita mit Freunden © 2019 Twentieth Century Fox

Von den Schöpfern so großartiger Film wie „Avatar“ und „Sin City“ hätte man eigentlich mehr erwartet als dieses perfektionierte CGI-Spektakel, hinter dessen schönen digitalen Bildern sich eine dürftige Geschichte verbirgt, die nichtsdestoweniger wohl der Auftakt zu einer ganzen Staffel sein dürfte.

Ab heute in den Kinos

Titelfoto: © 2019 Twentieth Century Fox

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