Ehre von Elif Shafak

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Pempe und Jamila sind Zwillingsschwestern, wenn eine Kummer oder körperliche Schmerzen verspürt, geht es der anderen ebenso. Sie sind wie eine Seele in zwei Körpern. Unterschiede gibt es zwischen den beiden Schwestern jedoch schon, denn Pempe möchte hinaus in die Welt, während Jamila viele Kinder haben möchte und eher seßhaft ist. Ihr Leben in dem kleinen kurdischen Dorf ist geprägt von der eigentümlichen Tradition, die Frauen und Männern fest zugeschriebene Rollen verleiht. Ein Mann besitzt Ehre und muß sie verteidigen. Eine Frau dagegen hat nicht mehr als Scham, die aber eng mit dem Ehrbegriff des Mannes verknüpft ist. Denn verhält sie sich schamlos, verliert ihr Mann unweigerlich seine Ehre. Dieses kulturelle, religiös geprägte Erbe nimmt Pembe mit nach London, wo sie mit ihrem Mann Adem eine lieblose Ehe führt. Nur ihre drei Kinder und ihr traditionelles Bewusstsein hindern Pembe daran, aus dieser Ehe zu flüchten. Währenddessen lebt Jamila ein einsames, nur durch ihre Tätigkeit als Hebamme bestimmtes Leben in ihrem Heimatdorf. Über Briefe, die hin und wieder bei ihr eintreffen, erfährt sie vom Leben ihrer Zwillingsschwester in London. Deren Leben dort ist durch kulturelle Widersprüche gekennzeichnet und von einer beginnenden Liebe zu einem anderen Mann, die indessen für Pembe in eine gefährliche Situation münden könnte. Wenn da nicht Jamila wäre…..

Elif Shafak hat schon viele hervorragende Romane geschrieben, doch dieser übertrifft alle. Mit ihrer klaren und schönen Erzählsprache entwirft sie die Geschichte einer kurdischen Großfamilie, die zwischen Tradition, Religion und westlichen Einflüssen zur traurigen Gewißheit gelangt, dass die Beharrung auf traditionelle Werte der Menschlichkeit und Liebe manchmal entgegenstehen können. Ein sehr berührender Roman, den man unbedingt lesen sollte. IMK

EHRE

Autorin: Elif Shafak
Roman
Orig.: Honour
aus dem Englischen von Michaela Grabinger
Hardcover inklusive eBook
528 Seiten
Verlag: Kein&Aber

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