Double Feature. 2 DAYS OF VIDEO ART in der Schirn Kunsthalle

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Am 22. und 23. Juli 2020 präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt sechs internationale Videokünstlerinnen und -künstler in einem Online Special der etablierten Film- und Videokunstreihe Double Feature.

Monira Al Qadiri, Eli Cortiñas, Ed Fornieles, Bjørn Melhus, Agnieszka Polska und Andrew Norman Wilson stellen je eine neue Produktion aus ihrem Werk vor und sprechen in virtuell geführten Talks mit Expertinnen und Experten der Schirn über ihre Arbeit und ihr filmisches Interesse. Sie alle waren bereits einmal zu Gast in der monatlichen Reihe Double Feature, mit der die Schirn eine Plattform für den Austausch über verschiedene Tendenzen und Ausdrucksformen des Films in der aktuellen Kunstproduktion bietet.

„Die Idee von 2 DAYS OF VIDEO ART ist die Wiederbegegnung mit bereits aus dem Double Feature bekannten Künstlerinnen und Künstlern unter neuen Gesichtspunkten. Und es ist ein Angebot über aktuelle Werke, ihre neuen und anhaltenden Interessen und über Entwicklungen in der Video Art ins Gespräch zu kommen“, erläutert Schirn-Kurator Matthias Ulrich, einer der Projektgründer des Double Feature. In den acht Jahren des Bestehens wurden in der Reihe bereits über 70 Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Film- und Videokunst in der Schirn vorgestellt.

TALKS

Die Talks mit den Künstlerinnen und Künstlern finden live über die Videokonferenzplattform ZOOM statt. Im Anschluss an die Gespräche besteht für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, den Künstlerinnen und Künstlern Fragen zu stellen. Hierfür ist eine Registrierung bei ZOOM notwendig. Die Talks werden zudem über den Facebook- und YouTube-Kanal der Schirn übertragen. Anmeldung auf www.schirn.de/twodaysofvideoart

Die Talks finden in englischer Sprache statt.

MITTWOCH, 22. JULI 2020 17 UHR BJØRN MELHUS IM GESPRÄCH MIT SCHIRN-KURATOR MATTHIAS ULRICH 19 UHR MONIRA AL QADIRI IM GESPRÄCH MIT SCHIRN-KURATORIN ILKA VOERMANN 21 UHR ED FORNIELES IM GESPRÄCH MIT ANUSCHKA BERTHELIUS

DONNERSTAG, 23. JULI 2020 17 UHR ELI CORTIÑAS IM GESPRÄCH MIT ELISABETH PALLENTIN 19 UHR ANDREW NORMAN WILSON IM GESPRÄCH MIT REBECCA HERLEMANN 21 UHR AGNIESZKA POLSKA IM GESPRÄCH MIT JOHANNA LAUB

VIDEOSCREENINGS

Die sechs Videos und Filmarbeiten stehen von 22. Juli (Monira Al Qadiri, Ed Fornieles) und 23. Juli (Eli Cortiñas, Andrew Norman Wilson, Agnieszka Polska) bis einschließlich 26. Juli 2020 zur Verfügung. Der Film von Bjørn Melhus ist ausschließlich am 22. Juli zu sehen. Alle Filme on Demand unter: www.schirn.de/twodaysofvideoart

Bjørn Melhus, Sugar, 2019, 20 Minuten

Fragen nach Authentizität und der individuellen Identität in einer medial vernetzten Welt spielen im Werk von Bjørn Melhus ebenso eine Rolle wie religiöse, ideologische und spirituelle Modi des Zusammenlebens. Für seine Film- und Videoinstallationen entwickelt er immer neue Protagonisten, die er selbst verkörpert, und so ein unverwechselbares Universum erschafft. Melhus zeigt seinen Film Sugar, der als bester Beitrag im Deutschen Wettbewerb bei den 63. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen 2020 ausgezeichnet wurde. Hier entwirft er ein post-soziales Zukunftsszenario der Welt, in welchem der Mensch soziale Interaktionen und Gefühle verlernt zu haben scheint und bloß von medialem Konsum getrieben wird. Dem gegenüber steht der humanoide Roboter Sugar, der gegen den Verlust des sozialen Bewusstseins der Menschen ankämpft.

Bjørn Melhus studierte Freie Kunst in der Film- und Videoklasse von Birgit Hein an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Seit 2003 lehrt er an der Kunsthochschule Kassel. Seine Filme und Filminstallationen waren u.a. im KINDL – Zentrum für Zeitgenössische Kunst, Berlin, im Sprengel Museum, Hannover, im Haus der Kunst, München, im Museum of Contemporary Art, Krakau, der Serpentine Gallery, London und dem Whitney Museum, New York zu sehen.

Monira Al Qadiri, Diver, 2018, 4 Minuten

Die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region um den Persischen Golf im 20. Jahrhundert ist ein wiederkehrendes Thema in den filmischen Arbeiten, Performances und Skulpturen von Monira Al Qadiri. Sie zeigt ihren Film Diver, der sich den Folgen der Ölindustrie für Gesellschaft und Kultur in dieser Gegend widmet. Jahrhundertelang basierte diese auf der Perlenfischerei, bevor die Ölindustrie einsetzte. In Diver bewegen sich vier Synchronschwimmerinnen in dichroitischen Ganzkörperanzügen zu den traditionellen Gesängen der Perlentaucher. Der changierende Glanz ihrer Anzüge erinnert sowohl an die kostbaren Perlen wie auch die Ölförderung und verbindet so die Gegenwart mit einem längst vergessenen Bestandteil regionaler Kultur.

Die im Senegal geborene Monira al Qadiri wuchs in Kuwait auf und promovierte an der Tokyo University of the Arts in intermedialer Kunst. Al Qadiri lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Arbeiten wurden u.a. im Palais de Tokyo, Paris, im MoMA PS1, New York, auf der Berlinale in Berlin oder im Haus der Kunst, München gezeigt.

Eli Cortiñas, Walls Have Feelings, 2019, 12 Minuten

Eli Cortiñas‘ Arbeiten dekonstruieren den Wahrheitsgehalt des filmischen Materials und hinterfragen tradierte Lesarten. Selbstgedrehte Filmsequenzen, Found Footage und gesprochene Tonaufnahmen verbindet die Künstlerin zu assoziativen Bild- und Soundcollagen. In Walls Have Feelings untersucht Cortiñas den Ausdruck von Macht in Innenräumen, Architektur und dem öffentlichen Raum. In der Verschränkung von historischem Filmmaterial und Szenen der Gegenwart von Büroräumen, Landschaften mit Grenzzäunen, Fassaden aus der NS-Zeit oder Textilfabriken veranschaulicht die Künstlerin, welche repräsentative und zugleich ordnende Funktion den Räumen und dem Mobiliar innewohnt, in dem sich die Menschen bewegen.

Eli Cortiñas wurde 1979 in Las Palmas de Gran Canaria geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Kunsthochschule für Medien in Köln und dem European Film College in Dänemark.

Titelbild: DOUBLE FEATURE ONLINE SPECIAL, Bjørn Melhus, SUGAR,
2019, 4K Video, 20:30 min, Courtesy the artist, Video Still, © Bjørn
Melhus

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