Digitaler Faschismus – die sozialen Medien als Motor des Rechtsextremismus

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Jetzt tut Trump es schon wieder! Er leugnet die Realität und erschafft sich seine eigene Wahrheit. Schlimmer noch, diese „Wahrheit“ erreicht über ein Medium, das er wie kein anderer Politiker zuvor für seine Zwecke nutzt und genutzt hat, Millionen von Menschen. Über Twitter manipuliert er seine User erfolgreich.

Soziale Medien haben auch in unserer Demokratie eine herausragende Bedeutung bekommen. Denken wir einige Jahre zurück, so stehen sie und das Internet fast schon konträr zu der Vorstellung, die damals vorherrschte: Das Internet als Raum für endlose Freiheit und mit eigenen Regeln, die sich weitgehendst der staatlichen Kontrolle entziehen würden. Als manipulierendes, Öffentlichkeit schaffendes Medium, benutzen es auch die Akteure des Rechtsextremismus.

Die Terrorismusforscher Holger Marcks und Maik Fielitz analysieren in ihrem Buch präzise, wie der heutige Faschismus im Internet seine Botschaften verbreiten kann. Dabei definieren sie zu Beginn, was als Faschismus gegenwärtig zu verstehen ist, wie sich rechtsextreme Positionen hinter einer bürgerlichen Fassade verstecken. Denn der Faschismus oder Rechtsextremismus hat über die Jahre ebenso eine Entwicklung vollzogen, wie andere politische Parteien oder Bewegungen auch.

Welche Techniken werden benutzt

Die sozialen Medien leben von ihrer schnellen Verfügbarkeit und Verbreitung. Meinungen, Parolen und Meldungen können ungefiltert ihren Weg finden, das macht sie umso attraktiver. Auch rechtsextreme „Wahrheiten“ verbreiten sich, ob sie wirklich wahr sind, spielt nicht die erste Rolle, sondern Vereinfachung und Dramatisierung.

Vorfälle werden in Form des „dramatischen Erzählens“ in einen passenden, rechtsradikalen Zusammenhang gestellt und erzeugen Emotionen wie Angst und Bedrohung. Ereignisse werden mit politischen Parolen verknüpft und „Gaslights“ angezündet. Mit Fake-News Verwirrung gestiftet, auch um politische Gegner zu diskreditieren. Dabei entsteht schnell der Eindruck, es handele sich um die Meinung vieler Menschen. Diese „metrische Manipulation“ ist ein machtvolles Instrument, eine perfide Augenwischerei, die jedoch nicht jeder erkennt.

Auswege aus dem digitalen Faschismus

Die beiden Wissenschaftler zeigen auf der Grundlage ihrer Analyse Wege einer neuen Ordnung der sozialen Medien auf. Sie bleiben dabei nicht im theoretischen Bereich, sondern liefern konkrete Vorschläge, die auch technischer Art sind. Um etwa der metrischen Manipulation zu begegnen, könnte es sinnvoll sein, Like- und Rating-Instrumente zu entfernen. Doch ebenso journalistische und ethische Standards sind notwendige, längst fällige Regelungen, die den Willen zur Manipulation von Rechtsextremisten brechen könnten. Nicht zuletzt ist auch eine striktere Regelung im demokratischen Maßstab unerlässlich, um auch im digitalen Zeitalter auf demokratische Werte nicht verzichten zu müssen.

Eine höchst wichtige Analyse und sehr nachdenklich stimmende Lektüre, die alle Demokraten und Demokratinnen interessieren sollte.

Maik Fielitz und Holger Marcks: „Digitaler Faschismus. Die sozialen Medien als Motor des Rechtsextremismus“

ISBN: 978-3-411-74726-9
Seiten: 256
Erscheinungsjahr: 2020

Dudenverlag

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