Die seltsamsten Orte der Welt – Alastair Bonnett

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Menschen lieben Orte. Orte decken sowohl das menschliche Bedürfnis nach Wurzeln und Identität als auch nach Mobilität. Orte können exotisch und gewöhnlich zugleich sein. Sie können vor unserer Haustür oder auch viele tausende Kilometer entfernt liegen.

Eigentlich sollte man glauben, dass die Zeit der Entdeckungen vorbei ist. In seinem Buch „Die seltsamsten Orte der Welt“ beweist Alastair Bonnett, Professor für Social Geography an der Universität Newcastle, sehr anschaulich das Gegenteil.
An insgesamt 47 Beispielen, die in acht Kategorien unterteilt sind, zeigt er auf, was für faszinierende Orte es auf unserem Planeten gibt. Bonnett berichtet von verloren gegangenen Orten wie Sandy Island, einer Insel die jahrhundertelang in Karten verzeichnet war und tatsächlich niemals existierte, dem alten Mekka oder auch der Aralkum-Wüste. Von versteckten Geographien wie den unterirdischen Städten von Kappadokien, Niemandsländern, Geisterstädten wie etwa das verseuchte Prypjat und Ausnahmeräumen wie dem Berg Athos, wo allen weiblichen Säugetieren (inklusive des Homo Sapiens) der Zutritt nicht gestattet ist.

Einige Orte wirken beklemmend, andere faszinierend oder auch belustigend. So etwa Enklaven und abtrünnige Nationen wie das selbsternannte Fürstentum Sealand. Alle drei Attribute treffen ebenfalls auf die „schwimmenden Inseln“ zu, darunter „The World“, einem Wohnschiff, das sich im Besitz von einigen Supereichen befindet und seit über zehn Jahren über die Weltmeere fährt. Im letzten Kapitel wird es schließlich herzerwärmend, wenn Bonnett von vergänglichen Orten berichtet. Dazu zählt er beispielsweise Stacey’s Lane, ein unwegsames Gelände hinter einer Sackgasse, auf dem Bonnet und seine Freunde in ihrer Kindheit Verstecke und Lager, ihren eigenen Ort inmitten der Erwachsenenwelt erschufen.

Der Autor gesteht selbst in seinem Schlusswort, dass sein Buch „nicht mehr als Bruchstücke einer Welt bemerkenswerter Orte“ aufzeigt. Jedem Ort widmet er sich auf rund fünf Seiten. Das ist nicht viel. Zudem würde man manchen Ort gerne ausführlicher behandelt sehen als andere. Das Buch ist daher eher ein Einstieg, eine Aufforderung zur Entdeckung. Doch genau das gelingt. Bei aller Sachlichkeit vermag Bonnet mit seiner deutlich zu spürenden Begeisterung und seiner „Ode an eine Orte liebende Spezies“ das Interesse des Lesers an seltsamen Orten zu wecken, sowohl in fernen Ländern als auch vor der eigenen Haustür.
Stephan Petersen

Die seltsamsten Orte der Welt
Alastair Bonnett

C.H.Beck, München 201
295 Seiten
ISBN 978-3-406-67492-1

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