Die Albumkritik: Susanna – Baudelaire & Piano

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Auch nach dreizehn Jahren im Geschäft zeigt die außergewöhnliche Karriere der Musikerin Susanna Wallumrød keinerlei Anzeichen dafür, dass sie dem Sog des Mainstreams erliegt. Obwohl die Norwegerin eine in vielen Stilen der modernen Musik versierte Komponistin ist, hat sie sich seit langem einen Namen als wunderbare Interpretin der Werke anderer gemacht.

2006 brachte sie unter dem Namen  Susanna and the Magical Orchestra ihr von der Kritik hochgelobtes Coveralbum Melody Mountain heraus, auf dem sie Songs von Leonard Cohen, Bob Dylan, Scott Walker und anderen Ikonen kongenial interpretierte. Auf ihrem letztes Album „Garden of Earthly Delights“ hat sie sich von den surrealen Bilderwelten des niederländischen Malers Hieronymos Bosch inspirieren lassen.

Auf ihrem jüngsten, soeben erschienenen Album BAUDELAIRE & PIANO verbindet Wallumrød erneut ihre großartigen kompositorischen und interpretatorischen Fähigkeiten, wobei es sich diesmal um Bearbeitungen ausgewählter Gedichte des französischen Lyrikers Charles Baudelaire handelt. Das bedeutet zunächst, dass die Texte anspruchsvoller als üblich sind und konzentriertes Hören verlangen, zumal Wallumrøds Diktion stellenweise ungewöhnlich  ist, weil sie manche Wörter im Dienste der Interpretation phonetisch ausspricht.

Die Darbietung der zehn Songs vertraut ausschließlich auf Stimme und Klavier. Doch gerade in dieser radikalen Beschränkung erweist sich Wallumrøds Kunst. Denn ihre minimalistischen Arrangements haben die Kraft, Stimmungen zu erzeugen, die von dramatisch wie in den Songs „Burial“ und „The Vampire“ bis düster und bedrohlich wie im Stück „The Harmony of Evening“ reichen.

Die wunderbar kristallklare Stimme der Norwegerin ist ohnehin eine Klasse für sich. Mühelos reicht sie in die oberen Lagen und wird brüchig, wenn sie sich etwas tiefer vorwagt und im Wehklagen und Stöhnen am Ende des Songs „Meditation“ wortlos Emotionen vermittelt.

BAUDELAIRE & PIANO ist ein Album, das uns perfekt auf den Herbst einstimmt: dezent, kühl und klar. Auch wem Baudelaires blumige, gelegentlich überbordende Gedichte nicht gefallen, wird dieses ungewöhnliche Album aber mögen.     

Tracklist:

The Dancing Snake
Longing for Nothingness
The Enemy
Burial
Meditation
Obsession
The Vampire
The Harmony of Evening
A Pagan’s Prayer
The Ghost

VÖ: 11.9.2020 Susannasonata.com

Foto: Martin Rustad Johansen

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