Der Koch – Filmtipp und Rezepte inklusive

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Maravan ist 33 Jahre alt, tamilischer Asylbewerber und arbeitet als Hilfskraft in einem Zürcher Sternelokal, aber man merkt auf den ersten Blick, dass mehr in ihm steckt. Deshalb erntet er auch vom Chefkoch böse Blicke – von der Servicekraft Andrea erhofft sich Marvan dagegen heimlich Unterstützung. Und so lädt er sie zu sich nach Hause ein, um für sie zu kochen.

Der Koch Maravan (Hamza Jeetooa) schuftet in einem Nobelrestaurants als Küchenhilfe und träumt vom eigenen Lokal

Der Koch Maravan (Hamza Jeetooa) schuftet in einem Nobelrestaurants als Küchenhilfe und wird kritisch vom Chefkoch beobachtet. Doch Maravan träumt vom eigenen Lokal

Dass er nicht nur ein begnadeter, leidenschaftlicher Koch ist, wird Andrea schnell klar. Denn seine aryuvedischen, mit Hilfe des aus dem Restaurant geborgten Rotationsverdampfers gezauberten Leckerreien haben es in sich. Sie sehen nicht nur wunderbar exotisch aus – und die Bilder, die die Kamera hier eingefangen hat, sind fantastisch – mehr noch, diese Speisen üben eine magische Kraft aus. Denn plötzlich fühlt sich Andrea, die eigentlich lesbisch ist, von Maravan heftig angezogen. Hinreißend, wie Jessica Schwarz die kleinen von Maravan molekular zubereiteten Leckerbissen auf der Zunge zergehen lässt und sich von der aphrodisierenden Wirkung betört Maravan zuwendet. Das war von Maravan so nicht geplant, aber „Love Food“ geboren.

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Maravan (Hamza Jeetooa, links) macht sich Sorgen um seine Großmutter

Alles was er über das Kochen weiß, hat er von seiner Großmutter gelernt. Doch durch seine raffinierte molekulare Zubereitungsweise hat er den richtigen aphrodisierenden Dreh herausgefunden. Derweil liegt seine Großmutter in einem Zürcher Hospital und muß dringend am Herzen operiert werden. Sie und seine Familie in Sri Lanka benötigen seine finanzielle Hilfe. Da das Entwenden des Rotationsverdampfers aufgeflogen und Maravan selbst herausgeflogen ist, sieht es damit sehr schlecht aus. Auch sein Cousin Ulagu, der kurzfristig bei ihm wohnt und die Oma wieder zurück nach Sri Lanka bringen soll, ist ihm keine Hilfe.
Andrea jedoch hat eine Idee – warum nicht mit Maravans „Love Food“ ein Catering auf die Beine stellen? Die ersten, die ein Liebesmenü bestellen, sind passenderweise ein Sexualtherapeuten-Ehepaar, das damit den therapeutischen Bemühungen um ihre Klienten erst den richtigen Drive verpassen wollen. Maravan hat Sorge, das Geschäft könnte in eine falsche Richtung laufen, aber benötigt das Geld dringend, um seine Familie in Sri Lanka am Leben zu erhalten.

Damit ist der Film aber längst nicht zu Ende erzählt, denn er hat, wie auch der ihm zugrundeliegende Bestsellerroman, eine politische Komponente.
Nachdem das Liebesmenü sich auch mit Eskortdienstleistungen gut verträgt und dabei 70 Prozent Gewinnbeteiligung für Maravan und Andrea ergibt, geht das Geschäft weiter. Allerdings bestätigt sich Maravans Verdacht, dass ein Kunde des Eskortdienstes in Geschäfte mit illegalem Waffenhandel verwickelt ist…

Zudem bereiten Maravan die Nachrichten aus Sri Lanka Sorgen:  Sein Cousin Ulagu hat sich den Tamil Tigers angeschlossen. Und Waffen, die in dem Bürgerkrieg verwendet werden, stammen aus diesen illegalen Waffenhandelsgeschäften …

Weltweite Finanzkrise, Bürgerkrieg in Sri Lanka und ein Liebesmenü, das sich bis in kriminelle, geldschwere Kreise einen Namen macht – dem Film gelingt es mühelos, politische Gegenwart, Liebesgeschichte, Exotik und Sinnlichkeit auf unterhaltsame Weise zu vereinen.

Hamza Jeetooa, der seine Rolle als schüchterner, aber willenstarker Koch höchst überzeugend spielt, Jessica Schwarz, der man wahrscheinlich jede gute Rolle anbieten kann, um sie hervorragend zu spielen – ein Bestsellerroman als Vorlage – Ralf Huettner als Regisseur und richtig „leckere Bilder“, die Nebenrollen sind ebenfalls gut besetzt, da kann man nur ins Kino rennen…

Ab 27.11. im Kino

Das „Love Menu“: Maravans Rezepte

Die folgenden Rezepte entstammen der der Romanvorlage „Der Koch“ von Martin Suter. Dort lassen sich auch weitere Rezepte aus Maravans ayurvedischer Küche finden.

Minichapatis mit Curryblätter-Zimt-Kokosöl-Essenz
Die Zutaten (jeweils für zwei Personen):
65 g Weizenmehl
40 ml lauwarmes Wasser
1 TL Ghee
100 g Kokosöl
9 frische Curryblätter
1 Stange Zimt, grob gemörsert
Mehl und Wasser am besten mit den Händen zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten, etwa acht Minuten lang kneten. Den Teig mit einem Baumwolltuch bedecken und eine Stunde lang ruhen lassen. Mit mehligen Händen etwa murmelgroße Teigkügelchen formen. Die Arbeitsfläche ebenfalls mit wenig Mehl bestäuben, Teigkügelchen flach drücken und zu dünnen Fladen ausrollen. Kurz vor dem Servieren in einer heißen, trockenen Gusseisenpfanne mit Ghee beidseitig anbräunen. Für die Essenz Kokosöl, Curryblätter und Zimt bei 55°C etwa eine Stunde lang rotationsverdampfen. Sie können für die Essenz entweder das Destillat
aus dem oberen Kolben oder das Konzentrat aus dem unteren verwenden, Maravan vermischt beide. Die Essenz in einer Pipette zu den Chapatis servieren.

Ladies’-Fingers-Curry auf Sali-Reis mit Knoblauchschaum
Die Zutaten:
10 zarte Okras (Ladies’ Fingers)
2 grüne Chilis, feingeschnitten
1 mittelgroße Zwiebel, feingeschnitten
¼ TL Bockshornsamen
½ TL Chilipulver
½ TL Salz
5-8 frische Curryblätter
50 ml Wasser
50 ml dicke Kokosmilch
1 Tasse Sali-Reis
2 Tassen Wasser
Salz
200 ml Geflügelfond, gut entfettet
1 Knoblauchzehe
1 Spritzer Zitrone
1 g Sojalezithin

Okras waschen und an der Luft oder mit Küchenpapier trocknen. In drei Zentimeter große Stücke schneiden, mit Chilis, Zwiebel und allen Gewürzen in einem Kochtopf gut mischen. Wasser dazugeben und kochen, bis kaum mehr Flüssigkeit übrig ist. Umrühren und Kokosmilch hinzufügen. Weitere drei Minuten kochen, dann die Flüssigkeit bei kleinem Feuer reduzieren. Den Sali-Reis etwas anrösten und mit dem
Wasser auffüllen. Im Backofen abgedeckt bei 160°C ca. 20 Minuten lang garen, herausnehmen und sofort mit einem Holzspatel schneiden, damit er nicht klebt. In eine Form geben und warm stellen. Vorm Servieren die Form stürzen und das Curry darauf anrichten. Für den Knoblauchschaum den gleichen Teil des Fonds mit Knoblauch und Zitrone fein mixen und passieren. Mit dem Sojalezithin vermengen,
würzig abschmecken und aufschlagen. Eine große Schüssel mit Klarsichtfolie als Spritzschutz abspannen und darunter den Schaum aufschlagen. Viel Luft unterarbeiten und danach etwas stabilisieren lassen. Mit einem Lochlöffel nur den Schaum abnehmen und auf Reis und Curry geben.

Gelierte Spargel-Ghee-Phallen
Die Zutaten:
200 g weißen Spargel, geschält
1 EL Zucker
etwas Salz
4 g Agar-Agar
1 g Chlorophyll
4 Kardamomkapseln, fein gemörsert
100 g Ghee
Den Spargel bedeckt in kaltem Wasser aufsetzen und kochen lassen. Kardamom zugeben und ziehen lassen, bis der Spargel weich ist. Die Masse fein pürieren und passieren. Vier Esslöffel davon beiseite stellen und mit dem Chlorophyll vermischen. 3 g Agar-Agar unter die übrige Masse mischen, einmal aufkochen und Gelatine hinzugeben. In eine flache Form gießen und kalt stellen, bis die Masse formbar ist. In Streifen schneiden, diese in Backpapier einrollen und kaltstellen. Wenn sie fest sind,
aufrollen und die Würste in 10 cm lange Stangen schneiden. Die restliche Spargelmasse mit 1 g Agar-Agar aufkochen. Das eine Ende der Gelspargel mehrmals 2 cm tief darin eintauchen, bis sich eine grüne Verdickung bildet, anschließend kaltstellen. Die grünen Köpfe nach Belieben mit einer kleinen Schere so einschneiden, dass sie wie Spargelköpfe aussehen. Mit einem kleinen Dip- Schälchen warmem Kardamom-Chili-Ghee servieren.

Wer mehr über die Molekularküche wissen möchte, kann hier mehr erfahren.

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