David Helbock – Playing John Williams

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Der Mann traut sich was. Der österreichische Jazzpianist David Helbock hat sich auf seinem neuen Album die Musik des preisgekrönten US-amerikanischen Filmkomponisten John Williams vorgenommen, die er alleine am Klavier interpretiert. Ein ehrgeiziges Unterfangen.  Denn Williams Soundtracks, die in der Tradition der Romantik und namentlich Wagners stehen, sind häufig groß orchestrierte Klangwerke, die sich auf den ersten Blick einer Klaviersolointerpretation zu widersetzen scheinen.

Doch letztlich kommt es auf die Melodien an, die in den üppigen Arrangements stecken. Und die sind häufig einfach, entfalten ihre dramatische und emotionale Wirkung mit wenigen Tönen oder stetigen, treibenden Rhythmen.  Zudem bilden Orchester und Klavier für den Österreicher keine prinzipiellen Gegensätze. Jedenfalls nicht, wenn man die vielfältigen Klangmöglichkeiten des Tasteninstruments kreativ zu nutzen weiß. Und das tut Helbock auf vielfache Weise, indem er beispielsweise die Saiten des Klaviers mit der Hand abdämpft, Akkorde auf den Saiten streicht und das Innere des Flügels perkussiv verwendet.

So gelingt es Helbock, die Soundtracks von ihrem Bombast zu befreien und sie auf ihre Essenz herunterzubrechen. Bei allen Änderungen tastet er die Melodie jedoch nicht an und verleiht den Songs durch die jazzigen Arrangements neuen Glanz.  

So wird das Thema von E.T. zu einem flotten Boogie-Woogie mit ostinat wiederholten gebrochenen Akkorden, die zweite Version des „Hedwig’s Theme“ aus der Harry-Potter-Serie zu einer anmutigen, sparsam inszenierten Ballade. Und der Soundtrack von „Star War“ gerät zu einem spannenden Klanggeflecht mit abrupten Tempi-Wechseln und giftigen Akkorden. Natürlich lassen sich die langsameren Themen müheloser übersetzen wie etwa die Hymne an die Gefallenen aus dem Film „Der Soldat James Ryan“.

Den größten Spaß bereitet freilich die Neuinterpretation der Märsche, allen voran „The Raiders March“ aus Indiana Jones, der mit spritzig gezupften Saiten beginnt und sich zu einem Wechsel aus verspielten und rollenden Klavierläufen aufbaut, bevor er zum Eingangsmotiv zurückfindet.

David Helbock
Playing John Williams

VÖ. Deutschland: 30.08.2019 – ACT

Foto: Act / Joanna Wizmur

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