DAS TALENT DES GENESIS POTINI

Es regnet in Strömen und ein großer Mann mit einer Quiltdecke über den Schultern läuft durch die Straßen einer neuseeländischen Kleinstadt zielsicher auf einen Laden zu. In Selbstgesprächen vertieft macht er einen Zug auf dem Schachbrett, das wie für ihn dahingestellt nur auf „Schachmatt“ wartet. Wenig später wird er zurück in die Psychiatrie gebracht. Denn zwei Eigenschaften bestimmen das Leben dieses Mannes – er ist ein Schachgenie und er leidet an einer psychiatrischen Erkrankung – er ist manisch-depressiv.

Niemand, auch seine Ärzte nicht, glauben, dass er jemals für sich selbst sorgen kann. Genesis zumeist Gen genannt, soll aber – medikamentös eingestellt – aus der Psychiatrie entlassen werden. Doch außer seinem Bruder Ariki (Wayne Kapi) fällt ihm niemand ein, der sich um ihn kümmern könnte.

Als der Bruder in der Klinik eintrifft, gibt er Gen (Cliff Curtis) unmissverständlich zu verstehen, dass er nicht dazu geeignet ist. Ariki ist Kopf einer kriminellen Biker-Gang und hat ganz andere Probleme. Doch Gen will um jeden Preis hinaus in die Freiheit und macht sich dennoch auf den Weg zu seinem Bruder. Dort wird er im Zimmer des Sohnes Mana (James Rolleston) untergebracht. Der beäugt seinen Onkel misstrauisch und erfährt bald, dass Gen anders ist, sich aber auch als Schachmeister einen Namen gemacht hat.

Als Gen einen örtlichen Schachclub ausfindig macht, in dem verwahrloste Kinder betreut werden, will er dort als Schachtrainer mit diesen Kindern arbeiten. Zunächst trifft er auf Ablehnung. Doch schließlich überzeugt er nicht nur die Kids.

Cliff Curtis spielt diesen Mann, Genesis Pointini, der wirklich gelebt hat, mit Wucht und Authentizität. Cliff hat wirklich an Gewicht zugelegt und keinen Fatsuit getragen, dadurch wurde er dem Original noch ähnlicher. Erstaunlich, wie er sich auch in die psychische Verfassung des Genesis‘ hineinversetzt hat. Der Film ist atmosphärisch dicht, jede Szene ist glaubwürdig. Er vermittelt höchst sensibel das Leben eines Mannes, der hochintelligent war, drei Sprachen fließend sprach – Maori, Englisch und Chinesisch – zu einem Zeitpunkt, wo viele aufgegeben hätten. Genesis spezielle Hochbegabung und sein Wille weiterzumachen, kapitulierten selbst vor den Herausforderungen nicht, die Halluzinationen oder starke Medikamente mit sich brachten.

Der Film von Regiesseur James Napier Robertson erzeugt Gänsehaut und ist angefangen bei den darstellerischen Leistungen der Schauspieler bis hin zur Filmmusik großes, emotionales Kino.

Ab 16.6.2016 in den Kinos

 

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