CAPERNAUM – STADT DER HOFFNUNG // Filmtipp

image

Es gibt Filme, die muss man einfach sehen. Weil sie kraftvoll, bedeutsam und authentisch sind. CAPERNAUM – STADT DER HOFFNUNG ist ein solcher Film. Er spielt im Libanon, einem Land, das seit Jahrzehnten unter den Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen, Flüchtlingslager und politischer Wirren  zu leiden hat. Ein systemischer Zustand, der sich verhängnisvoll auf das Leben der Bevölkerung auswirkt. Capernaum ist ein Ort des Chaos.

Capernaum

Zain ist im täglichen Überlebenskampf seiner Familie mit eingebunden

Doch zu Beginn ist davon noch nichts zu bemerken, denn die ersten Szenen finden in einem Gerichtssaal statt. Zain hat seine Eltern verklagt, illegale Immigranten ohne Ausweispapiere. Er findet sie schuldig, weil sie ihn in diese Welt voller Armut und Ungerechtigkeit gesetzt haben. Ein Zwölfjähriger, der so schmal und klein wirkt wie ein Sechsjähriger, dessen Gesichtsausdruck die Entbehrungen seines jungen Lebens deutlich erkennen lassen. Von dieser Szene ausgehend bewegt sich der Film mit eindrucksvollen Bildern in die Vergangenheit des Jungen.

Zain ist eingebunden in den ständigen Kampf der Familie ums Überleben – vom Drogendeal bis hin zur Zwangsverheiratung seiner Schwester Sahar, die er mit aller Macht verhindern will. Er hilft der Schwester zu verbergen, dass sie gerade begonnen hat zu menstruieren, was als ein untrügliches Zeichen für ihre Heiratsfähigkeit gilt. Es gelingt ihm nicht.

Capernaum

Zain mit seiner Schwester Sahar

Zain verlässt seine Eltern und Geschwister und trifft auf die äthiopische Immigrantin Rahil, die ein Baby hat, das sie bei ihrem täglichen Putzjob im Trolley mitnimmt.

Die äthiopische Immigrantin Rahil hat ständig Angst aufzufliegen

Zain bekommt bei Rahil Unterschlupf und betreut im Gegenzug dafür das Baby. Doch plötzlich kommt Rahil nicht wie gewohnt nach Hause zurück. Nun ist er ganz auf sich alleine gestellt, inmitten von Beiruts Slums …

Für den Film recherchierte die libanesische Regisseurin Nadine Labaki Jahre lang intensiv mit dem Ziel, misshandelte Kinder in den Mittelpunkt ihres Films zu stellen. Denn Kindheit, diese für die Entwicklung eines Menschen so wichtige Phase, gibt es für viele Kinder im Libanon nicht.

Empathisch und auf Augenhöhe nähert sich die Regisseurin den Darstellern, die eine große Ähnlichkeit mit den Filmfiguren aufweisen. Sie kennen die Realität aus ihrem eigenen Leben. Und so sind tiefe und eindringliche Bilder entstanden, die überall dort zu sehen sind, wo Kinder- und Menschenrechte vernachlässigt werden, wo Eltern keine sein können und Kinder deshalb keine Kindheit erleben.

Für Zain Al Rafeea hatte der Film am Ende positive Folgen. Mit Hilfe des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) konnte er mit seiner Familie nach Norwegen auswandern, wo ein besseres Leben auf ihn wartet.

CAPERNAUM – STADT DER HOFFNUNG wurde beim Filmfestival in Cannes minutenlang mit stehenden Ovationen gefeiert. Er gewann den Preis der Jury und den Preis der Ökumenischen Jury. Der Libanon schickt CAPERNAUM – STADT DER HOFFNUNG ins Oscar-Rennen als Bester Nicht-englischsprachiger Film.

Ein Film, den man nicht verpassen sollte, denn er rückt nicht nur eine Perspektive, sondern gleich mehrere zurecht.

Ab 17. Januar in den Kinos

Alle Fotos ©AlamodeFilm

Send this to friend