Achim Peters Mythos Übergewicht

In Deutschland schaffen es die meisten Erwachsenen nicht, das Körpergewicht bis ins höhere Alter im Normalbereich zu halten, so der 12. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Kein Wunder, dass es immer mehr Diätbücher, Abnehmprogramme und Selbsthilfegruppen gibt.


Ob dick oder dünn, diese Bewertung unterliegt dem gesellschaftlichen Wandel, was für schön gehalten wird ebenfalls. Diese Bewertungen treffen gesellschaftliche Gruppen unbewusst auch vor dem sozio-ökonomischen Hintergrund, in dem sie leben. In Afrika gelten in manchen Gebieten dicke Frauen und Männer als schön und gesund. Sie verfügen über Macht und Mittel, um sich gut ernähren zu können, in einer ansonsten armen Gesellschaft. In reichen Industrieländern herrscht kaum Mangel an Lebensmitteln und darum ist hier Schlankheit ein Zeichen für Jugend, Wohlstand und Gesundheit. Übergewicht wird hier mit niedrigem Bildungsstand und Armut in Zusammenhang gebracht. In der Medizin gilt ein zumindest stark übergewichtiger Mensch als gefährdet, eine Anzahl von Krankheiten zu entwickeln, darunter Diabetes, Herz- und Kreislauf-Erkrankungen.
Der Autor des Buches „Mythos Übergewicht“ sieht dies anders. Übergewicht ist nicht per se schon ein Zeichen für Krankheit oder führt zwangsläufig dazu. Forschungen konnten zudem zeigen, dass Menschen mit einem höheren BMI schwere Erkrankungen oder Operationen besser überstehen.

Vielmehr macht der Hirnforscher Prof. Achim Peters einen anderen Faktor aus – Stress. Es ist längst bekannt, das Stress krank macht, entscheidend dabei ist, wie jemand auf Stressoren reagiert. Der Autor nennt zwei Stresstypen: Typ A ist derjenige, der schlank , dessen Stressystem aber nicht anpassungsfähig ist. Es sorgt unter Stress daher für einen ständig hohen Level des Stresshormons Kortisol. Typ B ist stressresistent. Sein Körper reagiert angepasst auf Stressreize, zudem ist er von jeher beleibter und hat einen größeren Hunger als der Typ A, selbst in Stresssituationen.

Eine große Rolle spielt dabei das Gehirn, welches bisher bei der Betrachtung des Übergewichts eine Nebenrolle spielte. Das Gehirn braucht Glukose, um gut funktionieren zu können, und es ist egoistisch. Es nimmt sich, was es braucht, ohne Rücksicht auf Verluste. Bei Engpässen müssen dann die übrigen Organe von ihren Zellen abgeben, damit das Gehirn weiter funktionieren kann. Diäten sind schon deshalb nicht die Lösung bei Übergewicht. Sie können sogar schädlich sein, denn das Gehirn gerät dann in eine Energieunterversorgung. Wenn Menschen sich gestresst fühlen, reagiert das Gehirn mit einem Überlastungsschutz. Aber dieser ist energetisch kostspielig und verlangt nach Nahrung. Nur so kann der Gehirnstoffwechsel und das Stresshormon Kortisol, das uns auf Dauer krank macht, ausgeglichen gehalten werden. Deswegen kann Gewicht nicht pauschal bewertet werden, sondern individuell. Darum gibt es aus Sicht des Autors kein Übergewicht.

Die wichtigste Botschaft lautet deshalb auch, Stressfaktoren zu erkennen und zu vermeiden. Der Autor geht ausführlich auf die krankmachenden Stressoren ein und schlussfolgert: Jeder kann am Arbeitsplatz und im Privatleben aktiv gegen eine Haifischbecken-Mentalität vorgehen und ein gesundes Gleichgewicht zwischen positiven und negativen Stressoren herstellen.

Ein aufschlussreiches Buch, das sehr verständlich deutlich macht, worauf die Wissenschaft bei der Erklärung krankmachender Faktoren gestossen ist, was neu überdenkt werden muß, worauf sich weitere Forschungen ausrichten sollte und nicht zuletzt, was jeder Mensch in seinem Lebensumfeld ändern kann.

Achim Peters Mythos Übergewicht

Warum dicke Menschen länger leben. Was das Gewicht mit Stress zu tun hat – überraschende Erkenntnisse der Hirnforschung
Originalausgabe
ISBN: 978-3-570-10149-0
Verlag: C. Bertelsmann

Zum Autor: Achim Peters ist Hirnforscher, Endokrinologe und Diabetologe.Er lehrt als Professor an der Universität zu Lübeck.

Lesung

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