Buchtipp: Julia Deck – Privateigentum

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Der Roman „Privateigentum“ von Julia Deck hat nur 144 Seiten, und sobald der letzte Satz gelesen ist, wünscht man sich, es gäbe noch einige Seiten mehr. Denn das Schicksal des Ehepaars im mittleren Alter verläuft spannender, als üblicherweise angenommen werden kann. Die beiden sehnen sich nach örtlicher Veränderung. Eigentlich ist Eva Caradec Urbanistin, aber ihr Mann Charles leidet an einer behandlungswürdigen Depression. Mehr grüne Umgebung macht da Sinn. Es zieht sie aus Paris ins Idyllische – in eine Vorstadt der Metropole. Dort haben sie ein mit allen nachhaltigen Raffinessen ausgestattetes, hochmodernes Haus erworben. Erneuerbare Energie versorgt ihr Heizungssystem, und Abwasser und Kompost werden recycelt.

Doch neben einem zudringlichen roten Kater, der den Unmut des frischen Hausbesitzers weckt, ist auch alles andere nicht so, wie es scheint. Als schließlich der Kater ermordet im Kanalsystem gefunden wird, glauben die Nachbarn, den vermutlichen Täter rasch identifizieren zu können. Schnell blühen Gerüchte, Affären und Intrigen so unbändig auf wie die Gänseblümchen vor dem Küchenfenster von Eva. Schließlich enden die gemeinsamen Grillabende in Nachbars Garten, als eine Nachbarin spurlos verschwindet. Und mit ihr der Sohn und ein kleiner Hund….

Der Roman bietet Lesevergnügen pur – denn mit Scharfsinn und Witz nimmt sich die Autorin Julia Deck die Pariser wohlhabende, öko-affine Mittelschicht vor, die mit ihren Träumen vom richtigen Leben im nachhaltigen Paradies scheitert. Eine bitterböse und ironische Geschichte.

Julia Deck
Privateigentum

Aus dem Französischen von Antje Peter

SALTO [257]. 2020
Verlag: Wagenbach
144 Seiten. Rotes Leinen. Fadengeheftet
18,– €
ISBN 978-3-8031-1356-6

Julia Deck wurde 1974 in Paris geboren. Sie studierte Literatur an der Sorbonne arbeitete für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften und unterrichtet an der Journalistenschule.

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