Blut und Dollar – Tonino Benacquista

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Alles Schlechte hat auch sein Gutes – selbst wenn Fred oder Giovanni Manzoni, wie der Ex-Mafioso eigentlich heißt, dieses Sprichwort nicht gänzlich unterschreiben kann. Denn wer einmal in den „Genuss“ seiner Gewalttätigkeiten gekommen war, konnte nichts Gutes daran entdecken. Doch die Wandlung des bereits schon über zehn Jahre in einem Zeugenschutzprogramm steckenden Kopf einer der größten Mafiabanden in den USA hat bereits eingesetzt. Als Schriftsteller ist er auf dem besten Weg, den Feinheiten der Sprache, die ja eigentlich ihren Ursprung im feinfühligen Erleben und aufspürenden Wahrnehmen von Mitmenschen und Umwelt haben, zumindest über den Gebrauch diverser Wörterbücher näherzukommen. Nicht wirklich erfolgreich ist sein erstes Buch geworden, doch mithilfe des Buchverlegers und Dolmetschers einigermaßen lesbar.
Aber auch die restliche Familie ist nicht untätig geblieben. Belle, die ihren Namen wirklich verdient hat, studiert in Paris und hat einen ungewöhnlichen Partner gefunden, einen Nerd, der immer wieder behauptet, eine so schöne Frau nicht lieben zu können. Doch er kennt den Einfallsreichtum der mit allen Wassern gewaschenen Mafiosotochter nicht. Und der Sohn Warren erfährt erst nach einigen Verirrungen und Verliebtheiten, wo seine eigentliche Bestimmung liegt.
Freds Ehefrau Maggie hat ihre ehrenamtliche Tätigkeit aufgegeben und ein kleines Unternehmen in Paris gegründet, das ihre vorzüglichen Auberginen mit Parmesan überbacken anbietet und erste Erfolge verzeichnen kann. So lässt sich, bewacht von FBI-Beamten, dreihundert Kilometer entfernt von Paris einigermaßen gut leben. Und Fred könnte an einem weiteren Buch schreiben, wenn da nicht seine Schreibblockade und sein immer noch vorhandenes Mafioso-Gemüt wäre, das sich über schlecht gebackene Pizzen aufregt und ihn mit Gewalt dazwischen gehen lässt, als er von seinem Lieblingspizzabäcker erfährt, dass dieser wegen eines zahlungsunwilligen Mieters seine mobile Pizzabäckerei aufgeben muss. Da kann Fred nicht tatenlos zusehen und ergreift die Gelegenheit beim Schopfe des Mieters, der mit vielen Blessuren nochmal davon gekommt, nun aber bereit ist, die ausstehende Miete plus Zinsen zu zahlen und die Wohnung zu räumen.
Als Fred schließlich Melvilles „Moby Dick“ gelesen hat und zudem von den Schikanen erfährt, die Maggie von der benachbarten Fast-Food-Kette erdulden muss, lockert sich seine Schreibblockade und er erfindet die ultimative Mafia-Lösung auf dem Papier, um dieses Problems Herr zu werden…

Der zweite Teil der Mafiosokomödie um die Manzoni-Familie ist nicht weniger komisch und unterhaltsam als der erste Teil „Malavita„, der inzwischen erfolgreich verfilmt wurde. Tonino Benacquista hat eine überaus witzige Figur erschaffen: Fred, der das Wort Literatur kaum buchstabieren kann, aber den Ehrgeiz entwickelt, ein großer Literat zu werden, ebenso berühmt wie in seinem ersten Leben als Mafioso. Mit seiner witzigen und erneut kenntnisreichen Geschichte schafft der Autor wieder die perfekte Balance zwischen Spannung, Humor und Moral. Zudem habe ich den Verdacht, dass auch im zweiten Roman ein verstecktes Plädoyer für die Literatur steckt, der man nur zustimmen kann. Insbesondere dann, wenn man so einen unterhaltsamen Roman gelesen hat.

Tonino Benacquista
Blut und Dollar
Eine Mafia-Komödie

Originaltitel: Malavita encore
Originalverlag: Éditions Gallimard, Paris 2008
Aus dem Französischen von Herbert Fell

Deutsche Erstausgabe

ISBN: 978-3-570-58541-2
Verlag: carl´s books

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