Bette Midler: It’s the Girls

Die größten musikalischen Erfolge ihrer mittlerweile vier Jahrzehnte umspannenden Achterbahn-Karriere verdankt Bette Midler wohl herausragenden Cover-Versionen wie z.B. „From a Distance“ und „Wind beneath my Wings“. „It’s the Girls“, das 14. Studioalbum des chamäleonhaften US-amerikanischen Multi-Showtalents, ist ein reines Cover-Album, mit dem sich Midler tief vor den Girlgroups der 40er, 50er und 60er Jahre verneigt. Aber auch vor einer Neubearbeitung des R&B-Megahits „Waterfalls“ des Trios TLC aus dem Jahre 1995 schreckt die „Göttliche M“ nicht zurück, den sie hier eindringlich als leise, sanfte Ballade interpretiert.
Obwohl „It’s the Girls“ im Studio durchaus neue Wege beschreitet, wirkt das Album insgesamt wie eine Rückkehr Midlers zu Kabarett und Theatralik der frühen Jahren ihrer Karriere – Erfahrungen, die ihrer enorm ausdrucksstarken Stimme die Fähigkeit verleihen, ihre Songs zu reinkarnieren, also den Charakteren und Emotionen, über die sie singt, ein eigenes Leben zu geben. Dabei gelingt es Midler oft souverän, den Originalen feine Akzente hinzuzusetzen, die ihre Version zu der besseren macht.
So covert die „Göttliche M.“ hier das Shirelles-Stück „Baby It’s You“ gekonnt als leise Ballade mit zarten Gospel-Tupfern. Das Stück „Come and Get those Memories“, ein Hit von Martha & the Vandellas aus dem Jahre 1963, erzeugt reines Gänsehaut-Feeling, so dass man unweigerlich Anteil am Herzschmerz der Sängerin nimmt. „He’s Sure the Boy I love“, hier im Duett mit Ex-Crystals-Mitglied Darlene Love gesungen, und „Give him a Big Kiss“ sprühen förmlich vor jugendlichem Übermut und lassen einen automatisch mit den Fingern schnippen. Trotz ihrer 68 Jahre gelingt es Midler mühelos, den Gefühlstaumel des ersten Verliebtseins zu rekreieren. Mit „Bei Mir Bist Du Schön“ wiederum, einer Hommage an die Andrew Sisters, kehrt die US-Sängerin zu ihren jüdischen Wurzeln zurück. Mit ihrer Version des Chordelles-Hit „Mr. Sandman“, das selbst das gewiss schöne Cover von Emmylou Harris toppt, fängt Midler wiederum sehr gekonnt die verträumt-kindliche Stimmung des Lobgesangs auf das Sandmännchen ein, das nächtens die schönen Träume bringt.
Indessen vermag nicht jede Interpretation der gecoverten Songs voll überzeugen. Gelegentlich wünscht man sich, dass Midler sich bei einigen Songs enger an das Original gehalten hätte. So wirkt ihre Version des großartigen Shirelles-Hits „Will You Still Love Me Tomorrow“ ein wenig heruntergeleiert und einschläfernd. Und das Banjo in „You Can’t Hurry Love“ muss man mögen. Zwar verpasst es dem Song einen Schuss Country&Western, vermag aber kaum, den Mangel an herrlicher Nonchalance zu kompensieren, die das Original der Supremes aufweist. Trotzdem gelingt es Midler mit ihrem Album “It’s the Girls“ überzeugend, die goldenen Jahre der Girlgroups zu frischem neuem Leben zu erwecken, und zeigt einmal mehr, was für eine herausragende Interpretin sie heute immer noch ist.

Bette Midler: It’s the Girls

VÖ: 23.1.2015
Label: eastwest Records / Warner Music Entertainment
Formate: CD/Downloads

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