Batman vs. Superman: Dawn of Justice

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Wenn sich die beiden größten Helden des DC-Comic-Universums erstmals in der Geschichte in einem Realfilm gegenüberstehen, dann ist eine allenthalben enorme Erwartungshaltung die logische Folge. Vor diesem Hintergrund ist es auch kein Wunder, dass Filmemacher Zack Snyder, der in der Vergangenheit unter anderem bereits bei „300“, „Watchmen“ und zuletzt „Man of Steel“ auf dem Regie-Stuhl Platz nahm, bei dem bombastischen „Batman vs. Superman: Dawn of Justice“ wirklich alles rauszuhauen versucht, was bei dem Duell zwischen dem Dunklen Ritter und dem Man of Steel möglich ist. Das ist grundsätzlich ein ehrenwertes Ziel, sorgt aber in diesem Fall leider dafür, dass der geschätzt 250 Millionen Euro teure sowie 152 Minuten lange Streifen zeitweilig überladen und vor allem in der ersten Filmhälfte unübersichtlich, ja sogar ein wenig verwirrend erzählt wirkt.

Dies liegt wiederum auch an einigen fragwürdig bis hanebüchen geratenen Drehbuch-Passagen, die man sich durchaus hätte sparen oder zumindest gehaltvoller ausarbeiten können – so dürfte beispielsweise der ausschlaggebende Grund, weshalb es zwischen Batman und Superman kurz vor knapp doch nicht zum ganz großen Knall kommt, bei dem einen oder anderen Zuschauer für ungläubiges Kopfschütteln sorgen.
Insgesamt hätten Kürzungen und eine linearere Erzählung ohne allzu viele Traumsequenzen und Rückblicke dem Film gut getan. Denn auch hier sieht man: Zack Snyder und der oscarprämierte Drehbuch-Autor Chris Terrio („Argo“) wollen schlicht und einfach etwas zu viel. Schließlich wäre der Film schon mehr als gut gefüllt, wenn er sich ausschließlich auf den schwelenden Konflikt seiner Titelhelden und Lex Luthors finstere Machenschaften konzentriert hätte. Doch die Zerstörungsorgie soll auch Wonder Woman ins Geschehen einführen und dabei noch das große DC-Universum durch diverse Anspielungen, Verweise, Easter Eggs und Cameo-Auftritte etablieren. Ganz nebenbei muss auch noch Raum sein, um die durchaus tiefsinnige wie aktuelle Frage zu aufzuwerfen, ob und wie groß ein Opfer sein darf, wenn eine höhere Macht versucht, Gutes zu tun.

Bei so viel Stoff bleibt eben zwangsläufig einiges oberflächlich und im Ansatz stecken. Leider.

Denn vor allem dieser Umstand ist es, der den mit Spannung erwarteten und extrem gehypten Mega-Blockbuster am Ende zu einem zwar durchweg unterhaltsamen, aber insgesamt nur durchschnittlichen Superhelden-Film macht. Und so verliert „Batman vs. Superman“ bei allem atemberaubenden Action-Bombast den Vergleich mit Christopher Nolans stärker in der Realität verankerten „Dark Knight“-Trilogie vor allem in erzählerischer Hinsicht deutlich. Aber immerhin: Um einiges besser als sein Vorgänger „Man of Steel“ ist das erstmalige Aufeinandertreffen der beiden ikonischen Superhelden allemal.

Genau bei der finalen Schlacht des ersten Superman-Films von 2013 setzt die Geschichte von „Batman vs. Superman“ auch an: Nachdem der verheerende Zweikampf zwischen Superman (Henry Cavill) und General Zod (Michael Shannon) halb Metropolis in Schutt und Asche gelegt hat, ist das globale Meinungsbild gegenüber dem Mann aus Stahl sehr gespalten: Ist Superman wirklich der Retter der Menschheit und strahlender Held oder stellt er für die ganze Welt eine immense Bedrohung dar? Milliardär Bruce Wayne (Ben Affleck), der im benachbarten Gotham des nachts als Batman auf kompromisslose Verbrecherjagd geht, ist felsenfest von Letzterem überzeugt. Der Grund: Er hat die Zerstörung, die vielen Toten und das Leid, die der Kampf in Metropolis verursacht hat, hautnah miterlebt. Kein Wunder, dass er Superman nun ein für alle Mal Einhalt gebieten will. Im Gegenzug kann sich auch Superman, der nur Gutes tun und Schlimmes verhindern wollte, nicht mit Batmans kompromisslosem Vorgehen anfreunden und nimmt als Clark Kent die Aktivitäten des dunklen Ritters kritisch unter die Lupe. Derweil versucht der wahnsinnige Multimilliardär Lex Luthor (Jesse Eisenberg) seine eigenen Pläne in die Tat umzusetzen und spielt die beiden Superhelden zu diesem Zweck gegeneinander aus. So kommt es, wie es kommen muss: Bald stehen sich der fliegende Held von Krypton und die Fledermaus aus Gotham als erbitterte Feinde gegenüber…

Die geschilderte Handlung wurde – warum auch immer – vorab bereits in den Trailern praktisch nahezu komplett in Kurzform wiedergegeben. Ebenso wie der Umstand, dass sich die beiden Superhelden gegen Ende aufgrund der Bedrohung durch das kryptonische Supermonster Doomsday zusammenraufen und dabei unverhofft Hilfe von Wonder Woman (Gal Gadot) bekommen. Die schon im Vorfeld weitgehend bekannte Storyline hält daher folgerichtig kaum Überraschungen parat und ist neben den bereits erwähnten Drehbuch-Schwächen trotz des wenigstens überraschenden Finales eine weitere Ursache, warum der Zuschauer nie gänzlich in die Geschichte hineingezogen wird.

Doch es ist natürlich nicht alles schlecht – ganz im Gegenteil: Dieser mit den genannten Schwächen behafteten Inszenierung stehen auch einige richtig starke Einzelsequenzen gegenüber, wie beispielsweise die physischen Aufeinandertreffen der beiden titelgebenden Superhelden. Bei dem finalen Showdown zeigt Zack Snyder allerdings, dass er aus „Man of Steel“ nichts gelernt hat. Denn die CGI-Effekte sind zwar überzeugend, aber insgesamt einfach etwas too much. Und so hat man den Eindruck, der Film wird im finalen Akt unter seinem eigenen visuellen Bombast und seinen immensen Ambitionen etwas erdrückt.

Neben dem eingängigen Score von Hans Zimmer und Junkie XL, dem insgesamt eindrucksvollen Sound, packenden Bildern und den größtenteils packenden Actionszenen punktet „Batman vs. Superman“ aber auch mit der ernsten und düsteren Atmosphäre sowie durch die Leistungen des namhaften Casts. So füllt Henry Cavill seine Rolle als Superman auch bei seinem zweiten Leinwandauftritt im blauen Dress angemessen aus und passt in Sachen Aussehen ohnehin bekanntermaßen wie die Faust aufs Auge. Während die Riege der Nebendarsteller um Amy Adams, Diane Lane, Holly Hunter und Laurence Fishburne nicht groß herausgefordert wird und alle ihre Rollen problemlos meistern, stechen Gadot als geheimnisvolle und schlagfertige Wonder Woman sowie Jeremy Irons als wunderbar zynischer Alfred aus dieser Riege besonders positiv hervor.
Die tragenden Figuren des Films sind neben Superman dabei logischerweise jedoch Batman und Bösewicht Lex Luthor. Und um die sorgenvollen Skeptiker sogleich zu beruhigen, sei an dieser Stelle gesagt: Die im Vorfeld umstrittenen Ben Affleck und Jesse Eisenberg machen ihre Sache richtig gut. Auch wenn Luthors Motivation, die Superhelden aus dem Weg zu räumen, nicht wirklich zu erkennen ist, überzeugt er mit absurder Egozentrik und irrwitzigem Wahnsinn. Dabei interpretiert Eisenberg die Rolle des Luthor unübersehbar mit leichten Anleihen von Heath Ledgers Joker aus „The Dark Knight“ komplett neu und dabei stets sehenswert.

Absoluter Gewinner des Superhelden-Blockbusters ist jedoch Affleck. Er ist zwar nicht besser oder schlechter als sein beliebter Vorgänger Christian Bale; er ist einfach nur anders: überzeugend anders und sehr gut! Affleck besticht nicht nur mit physischer Wucht, sondern er verkörpert diese von bitteren Verlusten und Erfahrungen gezeichnete Figur in einer neuen Interpretation, die es so bislang noch nicht im Kino zu sehen gab. Der neue Dunkle Ritter ist grimmiger, zynischer und geht deutlich härter, aggressiver und kompromissloser in seine Auseinandersetzungen. Dabei nimmt er im Gegensatz zu seinen Vorgängern sogar auch die eine oder andere Leiche billigend in Kauf.

Fazit: „Batman vs. Superman: Dawn of Justice“ ist ein durchaus sehenswerter Film, der aus für sich genommen vielen guten Einzelelementen besteht. Diese ergeben allerdings wegen der unübersehbaren Drehbuchschwächen und einer etwas überladenen Geschichte kein ausgereiftes Gesamtpaket und vermitteln den Eindruck, dass in vielerlei Hinsicht mehr möglich gewesen wäre.
Nichtsdestotrotz bietet der Streifen, der sich eng an die Comicvorlagen hält, eine unterhaltsame Zerstörungsorgie mit guten Darstellerleistungen sowie tollen Sound- und Bildeffekten (inklusive 3D oder 4D). Die eine oder andere Anspielung sorgt dabei für Vorfreude und führt bereits in Richtung der angekündigten DC-Filme wie „Suicide Squad“ oder „Justice League“, in denen Batman und Co. ebenfalls wieder dabei sein werden. Dass weitere Mitglieder der anstehenden „Justice League“ wie „The Flash“, „Aquaman“ und „Cyborg“ eine kleine Mini-Einführung bekommen, wirkt innerhalb des Films zwar ein wenig erzwungen und passt nicht so recht in den Gesamtkontext, dürfte für die Fans des DC-Universums aber trotzdem ein zusätzlicher Pluspunkt sein. *3 von 5 Punkten*

Seit 24.3. im Kino

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