Ballett Jewels – Premiere in Berlin

Der Legende nach war es wohl ein dunkler Wintertag in den späten 1960er Jahren, an dem das Funkeln von Juwelen in einem Schaufenster an der schicken New Yorker 5th Avenue George Balanchine in den Bann zog. Und was tat der erfolgsverwöhnte Choreograph? Anstatt die wunderschönen Diamanten, Rubine und Smaragde einfach zu erwerben, ließ er sich von ihrem Glanz zu einem neuen Ballett inspirieren: „Jewels“.

PERFEKT KOMBINIERT

„Jewels“ ist ein abendfüllendes Ballett im neoklassischen Stil, das keine Handlung hat. Doch „Jewels“ ist ebenso wenig ein abstraktes Ballett, zumindest nicht in den Augen von George Balanchine: „Ballett kann nie abstrakt sein. Ballett ist etwas durch und durch  Konkretes, weil man Männer und Frauen sieht, die sich rascher und besser bewegen und besser aussehen als die meisten Menschen“, sagt Balanchine und fragt: „Gibt es etwas Konkreteres?“. Ohne Handlung versehen, will „Jewels“ die Sinne durch eine perfekte Kombination von Musik und Bewegung betören.

JEWELS – TANZENDE EDELSTEINE

Der erste lyrische Teil mit dem Namen „Emeralds“, also Smaragde, zur Musik von Gabriel Fauré soll Balanchine zufolge die Romantik Frankreichs wachrufen mit all ihrer Eleganz, der beindruckenden Mode und dem Duft raffinierter Parfums. Führt man diese Logik fort, so könnte der zweite Teil „Rubies“, die Rubinen, für das energiegeladene Amerika der Jazz-Ära stehen. Für diesen Teil wählte Balanchine die feurige Musik von Igor Strawinsky. Zur Musik von Peter I. Tschaikowsky weckt schließlich der dritte Teil „Diamonds“, die Diamanten, Erinnerungen an die Eleganz und Opulenz des Balletts des zaristischen Russlands. Aus dieser Sichtweise betrachtet zeichnet der Abend nicht nur unterschiedliche Abschnitte der Tanzgeschichte nach, sondern im Übrigen auch wichtige  Stationen im Leben Balanchines, der aus Russland über Frankreich in die Vereinigten Staaten emigrierte.

BALLETT IST EINE FRAU

George Balanchine liebte die Frauen, sie beherrschen die meisten seiner Choreographien. Die Tugenden seines Tänzerinnen-Ideals heißen Kraft, Schnelligkeit, Präzision und Balance. „Jewels“ stellt diese Tugenden spektakulär aus und zelebriert sie in Form einer Parade der Schönheit. So lautet der wohl berühmteste Ausspruch Balanchines: „Ballet is a woman“. Für Balanchine ist Ballett ein weiblicher Gegenstand: „Es ist eine Frau. Ein Mann hat es gern, Partner zu sein, ein Beistand, ein Chevalier. Das ist’s, warum Ballett existiert“. Wirkt diese Auffassung heute ein wenig aus der Zeit gefallen, wundert es zugleich aber kaum, dass Balanchine mit vier seiner bildschönen Ballerinen verheiratet war. Und so kann man in „Jewels“ fast schon einen Wettstreit der Tänzerinnen um die Gunst der Zuschauer erkennen, die sich ihrer Virtuosität bedienen, um mit den Mitteln des Tanzes subtil zu flirten, ganz so als ginge es zugleich um den charismatischen Choreographen.

PREMIERE IN BERLIN

Entstanden in einer äußerst stilvollen Ära, in der Audrey Hepburn auf der Kinoleinwand die Menschen betörte, und Andy Warhol in den Galerien für Aufruhr sorgte, ist „Jewels“ heute längst selbst zu einem zeitlosen Klassiker geworden. Nun hebt sich am 21. Mai 2016 der Vorhang für „Jewels“ in der Deutschen Oper Berlin, getanzt von den Solisten und dem Corps de ballet des Staatsballetts Berlin. Besonderer Gast der Premiere ist die ehemalige Erste Solotänzerin des Staatsballetts Shoko Nakamura, die in „Diamonds“ auftreten wird. Mit einem eigens von Pepe Leal für das Staatsballett entworfenen Bühnenbild und neuen, geschmackvollen Kostümen des spanischen Modeschöpfers Lorenzo Caprile erscheint dieses besonders edle Schmuckstück der Tanzkunst in einem neuem Dekor, das so nur in der Hauptstadt zu sehen ist. Eines ist sicher: Bei diesem auf Maß gefertigten Edelballett werden insbesondere die Freunde des Balletts klassischer Prägung voll auf ihre Kosten kommen.

DER BALANCHINE TRUST UND SEINE CHOREOGRAPHEN

Der Balanchine Trust verwaltet das Erbe von George Balanchine und überwacht die Einstudierung aller seiner Werke. Zu diesem Zweck begleitet der Trust die Entwicklung von Kostümen, Bühne, Grafikdesign u.a. und entsendet ausgewählte Choreographen, denen allein die Einstudierung der Werke genehmigt ist. Die Einstudierung der drei Teile übernehmen beim Staatsballet Berlin Patricia Neary, Sandra Jennings und Ben Huys. Sandra Jennings arbeitete neun Jahre lang als Tänzerin bei George Balanchine und dem New York City Ballett. Ihr Wissen gibt sie mittlerweile an Compagnien in der ganzen Welt weiter, mit denen sie im Auftrag des Balanchine Trusts die Ballette des Choreographen einstudiert.

JEWELS

Staatsballett Berlin
Choreographie George Balanchine
Musik Gabriel Fauré, Igor Strawinsky und Peter I. Tschaikowsky
Bühne Pepe Leal
Kostüme Lorenzo Caprile
Musikalische Leitung Robert Reimer

Es tanzen die Solistinnen und Solisten und das Corps de ballet des Staatsballetts Berlin. Es musiziert das Orchester der Deutschen Oper Berlin.

Premiere am 21. Mai 2016 um 19.30 Uhr in der Deutschen Oper Berlin
Weitere Vorstellungen in der Spielzeit 2015/2016: 26. Mai 2016 um 19.30 Uhr, 29. Mai 2016 um 18.00 Uhr, 10. Juni 2016 um 19.30 Uhr, 19. Juni 2016 um 18.00 Uhr
Tickets www.staatsballett-berlin.de, tickets@staatsballett-berlin.de , Telefon +49 (0)30 20 60 92

 

Fotocredit: Carmelo Naranjo García

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