Baker Street – Erinnerung an den schottischen Sänger Gerry Rafferty

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Heute vor zehn Jahren starb der schottische Sänger und Songwriter Gerry Rafferty. Sein bekanntester Song „Baker Street“, mit dem er Musikgeschichte schrieb, brachte eine wohltuende Abwechslung zur Disco-Musik, die in den späten 1970er Jahren die Charts dominierten.

Der von einem eindringlichen Saxophon dominierte Song ist ein wahres musikalisches Meisterwerk.  Er erzählt von der Kälte des Lebens in der Großstadt und vom frustrierenden Gefühl des Festgefahrenseins ohne Aussicht auf Besserung.  

„He’s got this dream of buying some land, He’s gonna give up the booze and the one night stands.“

Die Worte spiegeln das Auf und Ab von Raffertys eigener musikalischer Karriere und die Versuchung des Alkohols wider, der er schließlich erlag.

Die frühen Jahre

Gerald Rafferty wurde am 16. April 1947 in Paisley als ungewolltes Kind einer schottischen Mutter und eines irischen Vaters geboren, der seinem kleinen Sohn beibrachte, irische Rebellenlieder zu schmettern. Schon früh lernte Rafferty die dunklen Seiten des Lebens kennen. Seine Mutter und er versteckten sich häufig vor dem trunksüchtigen und gewalttätigen Vater, um nicht verprügelt zu werden, wenn er betrunken nach Hause kam. Mit 15 Jahren brach Rafferty die Schule ab und arbeitete in einer Metzgerei, später beim Finanzamt. Seine musikalische Karriere begann er als Straßenmusiker, der Passanten in der Londoner U-Bahn vorspielte, wo er auch die Inspiration zu seinem berühmtesten Hit „Baker Street“ hatte.

Erste Erfolge mit den Humblebums und Stealers Wheel

Zu Hause in Schottland hatte der Komiker Billy Connolly ein Duo namens The Humblebums gegründet, das in den Pubs und Clubs rund um Glasgow auftrat. Rafferty, der begonnen hatte, seine eigenen Songs zu schreiben, fragte Conolly, ob die Humblebums Interesse hätten, diese bei ihren Auftritten zu spielen.  Stattdessen bat Conolly ihn, der Band beizutreten. Mit Rafferty an Bord hatten die Humblebums einigen Erfolg, tourten durch Großbritannien und brachten zwei Alben heraus. Rafferty verkrachte sich jedoch schon bald mit Connolly, als dessen Witze und Geschichten immer mehr Zeit bei den Konzerten in Anspruch nahmen, und so verließ er die Band 1970. Zwei Jahre später nahm er sein erstes Soloalbum „Can I Have My Money Back?“ auf, das von der Kritik wohlwollend besprochen wurde, sich aber nur mäßig verkaufte. Wenig später tat sich Rafferty mit seinem alten Schulfreund Joe Egan zusammen, mit dem er die Band Stealers Wheel gründete. Ihr gleichnamiges Debütalbum enthielt auch die Hitsingle „Stuck in the Middle with You“, eine schrullige Parodie, in der sich Rafferty mit dylanesker Stimmer über die Cocktailpartys der Musikindustrie lustig machte.  1992 entdeckte eine neue Generation den glänzenden Songs wieder, als US-Regisseur Quentin Tarantino ihn als musikalischen Kontrapunkt für die Folterszene seines Films Reservoir Dogs verwendete. Ständig wechselnde Besetzungen und eine scheinbar nicht enden wollende Serie von Rechtsstreitigkeiten verhinderten jedoch weitere Erfolge für Stealers Wheel. 1975 kam das Aus für die Band, als Rafferty und Egan ihre Partnerschaft beendeten.

Krönendes Meisterwerk City to City

Ganze drei Jahre dauerte es, bis Rafferty in der Lage war, sein zweites Soloalbum „City to City“   aufzunehmen, das ihn über Nacht zu einem reichen Mann machte. Allein an den Tantiemen für den als Single ausgekoppelten Song „Baker Street“, der bis auf Platz 3 der britischen Top Ten kletterte, soll Rafferty 80.000 Pfund pro Jahr verdient haben. Doch Geld und Ruhm lockten Rafferty nie. Anfragen, in die USA zu reisen, um das Album zu promoten, lehnte er ab; seine tiefe Abneigung gegen Live-Auftritte dämpfte seine Plattenverkäufe. Schon Raffertys Folgealbum „Night Owl“ konnte nicht an den Erfolg von „City to City“ anknüpfen. Seine nächsten beiden Alben, „Snakes and Ladders“ und „Sleepwalking“ floppten.

Rückzug aus der Öffentlichkeit

Raffertys weitere Karriere wurde durch die Entscheidung von United Artists, die Plattenabteilung an EMI zu verkaufen, nicht gerade gefördert. Da ihm Hits wie „Baker Street“ versagt blieben, schaffte er es nicht, bei seinem neuen Label Einfluss zu nehmen. Mitte der 1980er Jahre verschwand Rafferty praktisch von der Bildfläche. Wenn er Schlagzeilen machte, dann nicht als Musiker, sondern durch seinen jahrelangen Kampf mit seinen Alkoholproblemen, den er schließlich verlor. Im November 2010 brach er endgültig zusammen. Nach den Worten seines Agenten starb er am 4. Januar 2011 friedlich im Kreise seiner Angehörigen.

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