Antlitze von Macht und Ohnmacht – Asphalt 2019

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Der Kölner Trompeter Markus Stockhausen und der in Belgrad geborene und seit 30 Jahren in Paris lebende Ausnahmepianist Bojan Zulfikarpašić waren gestern im Rahmen des Asphalt Festivals in einer Uraufführung des Konzertes „Antlitze von Macht und Ohnmacht“ zu erleben.

Sie präsentierten das neue Werk des Düsseldorfer Komponisten Bojan Vuletić: Zehn musikalische Porträts über Menschen, die stellvertretend für verschiedene Konflikte stehen. Wie sie mit Mitmenschlichkeit gelöst werden oder ungelöst zu Ohnmacht, Widerstand und Flucht führen, wo Menschlichkeit verschwindet und Unmenschlichkeit die Oberhand gewinnt, diese Themen versuchte der Komponist Bojan Vuletić in Musik zu übersetzen.

Die einzelnen Persönlichkeiten, die Vuletić im Blick hat, sind so vielfältig und bedeutsam, wie sie schließlich im Trompeten- und Pianospiel von Markus Stockhausen und Bojan Zulfikarpašić klangen: Eine flüchtende Frau, die ein kleines Kind rettet, weil dessen Mutter es nicht mehr schafft und stundenlang mit dem Kind im Wasser treibt. Ein verstörendes und mitreißendes Stück Musik. In Situationen, wo nur menschliche Gefühle wie Angst und Überlebenswille existieren und doch Menschen zu solchen Taten fähig sind, können wir wieder an Humanität glauben.

Doch bald darauf geraten wir in Fassungslosigkeit, weil ein weiteres musikalisches Porträt eines Hinterbliebenen unsere Zuversicht zunichte macht. Die Musik wird aufwühlend und drohend, denn als Kind musste er Massenhinrichtungen jüdischer Menschen miterleben, die er nur durch einen glücklichen Umstand überleben konnte.

Antlitze von Macht und Ohnmacht musikalisch interpretiert

Die einzelnen Menschenschicksale wurden dem Publikum in Kurzform präsentiert, um ein Vorverständnis für die musikalische Aufführung zu ermöglichen. Die Musik ist ein Wechselspiel aus Improvisation und Notation. Denn wo Verständnislosigkeit herrscht, übernimmt das Gefühl und auf musikalischer Ebene die Improvisation.

Trompeter Markus Stcokhausen und Pianist Bojan Z Foto: Peter Stumpf

Markus Stockhausen, der im Jazz genauso zuhause ist wie in der zeitgenössischen und der klassischen Musik, spielte seine Parts mit kreativem Einsatz seiner beiden Instrumente, Trompete und Waldhorn; auch sehr schwierige Passagen gelangen ihm intensiv und vollendet. Ebenso wie der Pianist Bojan Zulfikarpašić, der mit hohem professionellen Einsatz seinen Flügel auch manchmal als Schlaginstrument benutzte und damit entsprechende Assoziationen auslöste.


Bojan Vuletic komponiert genreübergreifend für kammermusikalische Ensembles, Chöre, Orchester und (Big)bands, schrieb Kompositionen für zeitgenössischen Tanz und Theater für über 40 Produktionen und kreierte eine Vielzahl von Klanginstallationen und Audio-Realisationen für Performances und Ausstellungen.

Ein im wortwörtlichen Sinne aufregender musikalischer Abend, der nicht nur den Künstlern, sondern auch dem Publikum einiges abverlangte, einmal über den menschlichen und musikalischen Tellerrand zu schauen und dafür berührende Musikerlebnisse zu bekommen. Am Ende gab es langanhaltenden Applaus für die Künstler.

Bojan Z, Bojan Vuletic und Markus Stockhausen
Foto: Peter Stumpf

Markus Stockhausen – Trompete
Bojan Zulfikarpašić – Piano
Bojan Vuletić – Komposition

Das Festival geht noch weiter https://www.asphalt-festival.de/

Alle Fotos: Peter Stumpf

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