Die neuen Punkrapper: Antilopen Gang – Aversion

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 Warum muss Deutschrap sterben?

Jochens kleine Plattenfirma beherbergt seit neuestem ein aufsteigendes Künstlerkollektiv, das Deutsch-Rap sterben lässt, um selbst zu überleben: Die Antilopen Gang. Ihr Debutalbum „Aversion“ verbindet eine kritisch hinterfragende Lebenseinstellung dessen Baggy Pants Hand in Hand gehen mit den Nietengürteln und Irokesen der 1980er Punks.

Umso praktischer ist wenn man daher mit JKP auf dem Label der Toten Hosen gesigned wurde. Und wenn man sich die Hooklines auf Aversion anhört, passt diese Kombi wie die Faust aufs Auge.

Fette Hooks

 Egal ob es um die  „Das Darf Man Noch Sagen Dürfen“ Leute geht, die sich nach aussen grün geben, aber innen braun sind („Beate Zschäpe hört U 2″) oder um Mitläufer („Ikearegal“). Die Antilopen Gang artikuliert sich glasklar und nimmt konsequent ihre Position ein und liefert gleichzeitig Refrains in bester Mitsing Manier.

Wunderschön auch ihr Song „Verliebt“, bei dem sich die 3 Jungs jeweils unsterblich in die Mutter ihrer Kinder verlieben, aber sie bereits am gleichen Tag verlassen möchten. Denn zu schade wäre es, wenn die Auserwählte plötzlich ihre esoterische Seite zeigt oder gar von Verschwörungstheorien schwafelt.

Die Jungs erzählen Geschichten. Und diese Geschichten machen ihr Album „Aversion“ so empfehlenswert.

Fazit

Die Jungs sind cool. Raps sind tight. Die Punkattitude macht es dann ganz gross. Unsere Lieblingsrapper 2014!

 

Das Interview

 

Im Mail-Interview treten die Jungs wie es sich für Punkrapper gehört eloquent und schlagfertig an und nahmen sich Zeit für unsere Fragen:

 

Wer macht Eure Beats und wie tretet Ihr live auf?

Danger Dan: Auf “Aversion” machten wir die Beats alle selbst.

Panik Panzer: Die meisten Skizzen zu den Beats, die dann auf dem Album gelandet sind, kamen von Danger Dan. Wir haben die Projekte so lange hin und her geschickt, bis alles geil war. Außerdem haben wir aus Versehen ein paar Live-Instrumente einspielen lassen.

Koljah: Und live haben wir noch DJ Müllmann Moses C dabei, welcher auf Müll und Blech trommelt. Er kann auch schön singen. Und Danger Dan spielt manchmal Klavier.

 

Habt Ihr bedenken gehabt, dass Euch einige Fans als zu etabliert brandmarken, wenn Ihr als „Verschwörungsgegner“ rüber kommt?

Koljah: Hä? Nein. Ich weiß nicht, was das mit etabliert zu tun hat. Ist ja auch nicht so, dass Verschwörungsideologien nicht etabliert wären. Solche kruden Vorstellungen sind durchaus Mainstream. Es ist dann eine Strategie der Verschwörungstheoretiker, so zu tun, als würde der Mainstream sie mundtot machen wollen.

 

Was ist es für ein Sample bei Outlaws? Ich höre die Roma Hymne „Ederlezi“ raus. Stimmt es?

Panik Panzer: Keine Ahnung! Danger Dan hat den Beat in der ersten Version produziert, ich habe später die Drums und die Bassline neu programmiert. Er hat immer behauptet, dass das Sample unbekannt sei und nicht geklärt werden müsste. Aber als der Song rauskam, haben sofort diverse Fans das gleiche behauptet wie du. Wenn es stimmt, dürfte das Sample ja auch thematisch auch nicht ganz unpassend sein.

Danger Dan: Aus urheberrechtlichen Gründen möchte ich das alles weder dementieren noch bestätigen.

 

„Ikearegal“ ist Euch gut gelungen. Was habt Ihr selber für ein Background? Kommt ihr selbst aus „gutem Hause“ ?

Koljah: Meine Eltern waren früher Autonome und Hausbesetzer, später wurden sie bürgerlich und gründeten eine Familie. Keine Ahnung, ob das gut ist, aber immerhin wurde ich dadurch geboren.

Danger Dan: Ich komme aus dem linken Öko-Mittelstand; danach besetzte ich Häuser, nun bin ich Rapper und eines Tages werde ich wieder bei meinen Wurzeln landen. Mein Sohn wird ähnlich wie Koljah!

Panik Panzer: Meine Eltern sind Ehrenmänner!
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Wenn Ihr „Überfall mal eine Bank“ singt und die Message dahinter klar ist. Klingt es dennoch nicht wahnsinnig kindisch?

Panik Panzer: Mir ist die Message dahinter nicht klar.

Koljah: Ist das kindisch? Kinder sollten mehr Banken überfallen.

 

„Ibiza“ ist mein lieblingstrack. Wenn man Eure Hooks hört, steuert Ihre gerade darauf zu, eine Reinkarnation des Deutsch-pop-punk in Form einer Rap Kombo zu werden. Die Songs lassen sich prima mitsingen…das wird nicht nur Jan Delay denken….Ist das nicht widersprüchlich?

Danger Dan: Hoffentlich! Alles was nicht widersprüchlich ist, hat einen Fehler.

Koljah: Ich verstehe gar nicht, was widersprüchlich sein soll. Das Jan Delay unsere Lieder vielleicht mag? Ich mag das erste Album von Jan Delay sehr gerne.

 

Rudi Dutschke sagte mal: Wer mit 25 kein Rebell ist hat kein Herz. Wer mit 40 noch rebelliert hat kein Hirn. Was meint Ihr dazu?

Koljah: Rudi Dutschke hat das nie gesagt. Aber ein ähnliches Zitat wird Winston Churchill zugeschrieben. (Anm. d. Red.: Natürlich hat Koljah recht. Mehr dazu hier)

Panik Panzer: Wer auch immer das gesagt hat, die Aussage ist uncool. Ich finde Rebellion ist nicht zwangsläufig was Gutes, aber da schwingt halt mit, dass ein kritischer Geist naiv oder falsch sei, was eine unkorrekte Aussage ist.

 

Ich habe erst dieses Jahr wieder angefangen deutschen Hip Hop zu hören nachdem ich Karate Andi, Genetikk, Witten Untouchable oder Der Plot entdeckt hab. Was hält Ihr von Künstlern wie Cro, Kay One oder Farid Bang? Wird nicht jeder Hip Hopper irgendwann zu Pop, sobald es in die Charts geht?

Danger Dan: HipHop ist Pop.

Panik Panzer: Ich höre von keinem der Genannten die Musik. Aber Cro finde ich lieb, Kay One tangiert mich nicht, Farid Bang auch nicht. Ich bin der King!

 

Bei Outlaws heisst es „Ich las Bücher die nicht altersgerecht waren“. Welche Bücher sind gemeint?

Koljah: Die Textstelle ist ein bisschen peinlich, so wie ich das da sage. Man kann mit cooleren Dingen angeben. Vielleicht meine ich damit Stephen-King-Bücher oder RAF-Pamphlete.

Danke für das Interview!

 

 

 

ps: Spannend, dass Koljah bereits 2010 ein Loblied auf die Toten Hosen aufnahm und schon dort den Wunsch äusserte von JKP gesigned zu werden:

Ein Bischen Punk Muss Sein

 

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