Ai Weiwei in Düsseldorf

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In der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf sind vom 18.05. bis 1.9. 2019 Installationen und Werke des international bekannten Konzeptkünstlers Ai Weiwei zu sehen.

Nicht überraschend, dass den Besucher/die Besucherin ein außergewöhnlicher Kunstgenuss bevorsteht, der mit anderen Kunstausstellungen nicht vergleichbar  ist.

Ai Weiweis Kunstverständnis lässt sich mit seinen eigenen Worten am deutlichsten ausdrücken: „Everything is art. Everything is politics“. Kunst steht immer im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft. Nicht zuletzt sind es seine Biografie und Lebenserfahrungen in einem Land, das Menschenrechte einschränkt, die dieses Verständnis von Kunst prägten.

Die Ausstellung erzählt auch ein Stück dieser Lebensgeschichte, die im K21 zu sehen ist. Betitelt mit Sacred wird der Besucher in einen Raum geführt, der sechs Eisenkisten beherbergt. Durch kleine Fenster von oben und an der Seite sind Einblicke in eine Zelle möglich.  Ai Weiwei war 81 Tage auf engstem Raum und von zwei Wächtern rund um die Uhr bewacht in einer solchen Zelle eingesperrt. Intimität war während der Haft nicht möglich. Der Künstler hat sich alle Einzelheiten gemerkt und sie nachgestellt.

Humanität, Menschenrechte und freie Meinungsäußerung sind Anliegen, denen sich der Künstler verpflichtet fühlt. Ebenso greift er das Thema Migration auf. In Video-Installationen ist sein Film Human Flow zu sehen. Der Künstler begleitete Flüchtlinge aus aller Welt und dokumentierte dies in seinem Film.

Installationsansicht / installation view: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K21, 2019
Achim Kukulies © Kunstsammlung NRW

Eine bemerkenswerte Bambusskulptur inmitten des Raums zeigt die fragile Situation von Flüchtlingen, die manchmal in Schlauchbooten über das Meer in die Freiheit fliehen.

Im Vordergrund sieht man die Sunflower, während an der Wand ein Tierkreiszeichen aus Lego auf der „Schuldscheintapete“ hängt. Foto:
Achim Kukulies © Kunstsammlung NRW

Im K20 werden erstmals Sunflower Seeds  sein Werk 100 Millionen Sonnenblumenkerne aus Porzellan gezeigt, die zu einem riesigen Beet arrangiert sind.  Sonnenblumenkerne sind in China ein Mao-Symbol. An den Wänden ist eine ganz besondere Wandtapete zu besichtigen: 13.000 Schuldscheine an die Spender, die Ai Wei Wei unterstützt haben. Außerdem sind aus Legosteinen gefertigte chinesische Tierkreiszeichen zu sehen.

Ein weiterer Schwerpunkt bildet Straight: 164 Tonnen Armierungseisen, die Ai nach dem verheerenden Erdbeben von Sichuan 2008 aus eingestürzten Schulgebäuden bergen ließ. Tausende Schulkinder verloren damals ihr Leben unter den Trümmern.


Die Eisen befinden sich in Holzkästen, die an Särge erinnern. Foto: Achim Kukulies
© Kunstsammlung NRW

Ai Weiwei ist Künstler, Architekt, Kurator, Filmregisseur und Fotograf. Als Sohn des berühmten Dichters Ai Qing wuchs er während dessen Verbannung in Nordchina auf und kehrte 1976 mit der Familie nach Bejing, seinem Geburtsort zurück.

Die sehr beeindruckende und umfassende Ausstellung im K20 und K21 dokumentiert sein Schaffen auf exzellente und bisher einzigartige Weise. Kuratiert wurde sie von Susanne Gaensheimer, Doris Krystof und Falk Wolf

Weitere Informationen unter Kunstsammlung NRW

Titelbild: Andreas Erdmann © Kunstsammlung NRW

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