A Bigger Splash

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Mariannes (TILDA SWINTON) weißer, langer Hals neigt sich zur Seite und ihr Gesicht ist nah bei Paul (MATTHIAS SCHOENAERTS), als sie mit ihrem Auto zum Strand fahren. Die Kamera liefert atemberaubende Blicke auf die faszinierende und idyllische Insel Pantelleria, die im Mittelmeer gelegen, ihre Existenz einem Vulkanausbruch verdankt. Und auch die sexuelle Anziehung zwischen Marianne und Paul scheint wie ein Vulkanausbruch zu sein, nur versiegt sie nicht so schnell. Marianne ist eine angesagte Sängerin, doch jetzt ist sie stumm, eine Operation am Kehlkopf zwingt sie dazu.  Viel reden müssen die beiden ohnehin nicht, sie verstehen sich auch ohne viele Worte, und die Luft zwischen ihnen scheint nicht nur wegen des heißen Wetters zu flirren. Vielleicht ist Marianne schon wenige Minuten später auch froh darüber, nicht so viel reden zu können. Denn ein Anruf ihres früheren Geliebten und Produzenten Harry macht nicht nur sie sprachlos. Paul zeigt sich wenig erfreut. Harry hat sich selbst eingeladen und ist in Begleitung seiner Tochter, von deren Existenz er erst seit einem Jahr weiß, bereits vor Ort.

A bigger Splash

Harry und Paul sind uneingestandene Rivalen © Studiocanal

Es ist nicht nur die sehr attraktive Tochter Penelope (DAKOTA JOHNSON), die von nun an die harmonische Zweisamkeit des Paares stört. Auch eine zunächst subtile Konkurrenz zwischen Harry und Paul ist zu spüren. Harry – umwerfend gespielt von Ralph Fiennes, hatte einst Marianne mit Paul zusammengebracht. Nun scheint er diesen Schritt zu bereuen. Während Paul, der die Zeit auch nutzen will, um an seinem Buch zu arbeiten, ruhig und verletzlich wirkt, ist Harry ein charmanter, von sich überzeugter, schriller Typ, der viel Aufmerksamkeit beansprucht.

Tilda Swinton in A bigger Splash

Tilda Swinton als MArianne in „A bigger Splash“ Foto ©Studiocanal

Tilda Swinton, deren schlanke und introvertierte Erscheinung im Film noch durch die extravaganten Kostüme des ehemaligen Chef-Designers von Dior, Ralf Simons, hervorgehoben wird, lässt nur wenig von den Gefühlen nach außen dringen, die sich in ihrem Inneren abspielen. Ihr schauspielerisches Können hat Tilda Swinton in zahlreichen Filmen bewiesen, und es heißt, die Britin sei Luca`s Muse, denn sie hat bereits in mehreren Filmen des Regisseurs mitgespielt.

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© Studiocanal

Der Film „A bigger Splash“ wirkt zunächst nicht wie ein Thriller, die Tanzeinlagen von Harry und dessen Quirligkeit wirbeln den Film auf. Harrys Sprung in den Swimmingpool der ländlichichen Villa und nicht zuletzt die junge blonde Verführerin Penelope zitieren den legendären Film „Der Swimmingpool“ des Regiesseur Jacques Derays aus dem Jahre 1969, in dem damals Romy Schneider und Alain Delon die Hauptrollen spielten.

Doch die Unfähigkeit der Akteure, ihre Gefühle zu beherrschen, sie so zu lenken, dass sie keinen Schaden anrichten, wird zunehmend spürbar. Die Atmosphäre ändert sich. Der italienische Regisseur Luca Guadagnino (I am Love) versteht es, analog zu Tildas Stummheit und deren inneren Emotionen, die lebensfrohe und leichte sizilianische Wirklichkeit mit einer merkwürdig langsam aufkommenden Bedrohlichkiet zu verbinden. Alles scheint auf einmal darauf hinzuweisen, dass etwas Dramatisches passieren wird.

Zwar ist „A bigger Splash“ eine Hommage an „Der Swimmingpool“, der dem Regiesseur als Basis gedient und, wie er in einem Interviews gesagt hat, als befreiend empfunden hat, jedoch entwickelt er deutlich seine eigene Filmsprache, ist emotionaler und hebt die zerstörerische Kraft, die menschliche Leidenschaften entwickeln können, spürbarer hervor – ein starker Film mit hochkarätiger Besetzung.

Ab 05.05.16 im Kino!

Titelbild: © Studiocanal

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