Einfach das Ende der Welt

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Louis (Gaspard Ulliel) kehrt nach zwölf Jahren in seine Heimatstadt, zu seiner Familie zurück; er will nicht bleiben, sondern sie ein letztes Mal sehen. Mutter und Geschwister wissen nicht, dass der junge, erfolgreiche Autor nicht mehr lange zu leben hat. Zunächst überwiegt die Wiedersehensfreude. Doch der wortgewandte Louis scheint auf einmal sprachlos zu sein. Oder spürt er, dass niemand wissen will, was er zu sagen hat? Denn es wird über Nebensächliches geredet, als wäre Louis nur eben zum Zigarettenholen weg gewesen und rechtzeitig zum Essen zurückgekommen.

Mutter (NATHALIE BAYE) und Sohn (GASPARD ULLIEL) finden nicht die richtigen Worte

Mutter (NATHALIE BAYE) und Sohn (GASPARD ULLIEL) finden nicht die richtigen Worte

 

Auch die Mutter scheint nicht zu spüren, dass etwas Endgültiges passieren wird, findet nicht die richtigen Worte. Sie befürchtet, dass Louis bald wieder geht und sie mit ihren Sorgen alleine lässt.
Als Louis nach dem Essen zum Flughafen will, um zurückzufliegen, bietet sich sein Bruder Antoine (VINCENT CASSEL) an, ihn zu fahren. Und Antoine lässt seine Eifersucht und Wut auf den Bruder heraus…..

Vincent Cassel als Antoine lässt seiner Wut und Eifersucht freien Lauf...

Vincent Cassel als Antoine lässt seiner Wut und Eifersucht freien Lauf…

Ein Familiendrama, das die Sprachlosigkeit, die “Crise du langage” offenbart, wenn es darum geht, Gefühle zu äußern, Angst zu zeigen. Der Autor des Theaterstücks, auf dem der Film basiert, Jean-Luc Lagarce, hat sie auch in seinen anderen Werken oft thematisiert.

Diese Sprachlosigkeit gerät dem Film zum Vorteil, denn der Regisseur Xavier Dolan versteht es, sie in Gefühle zu übersetzen, sie in seinen Bildern zu zeigen. Dem Zuschauer öffnet sich ein Zeitfenster im Leben von Menschen, deren Unfähigkeit, das Unausweichliche anzusprechen, auch die Unfähigkeit zu leiden ausdrückt.
Xavier Dolans Film ist ein bedrückendes, doch zugleich auch  fesselndes Drama, deren Beteiligten man ständig zurufen möchte, endlich ihre Gefühle zu äußern. Der Regisseur erhielt für den Film bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes den Großen Preis der Jury.

Der Film ist  Jean-Luc Lagarce gewidmet, der zu den wichtigsten Theaterautoren und Schriftstellern Frankreichs gehört. Zwei Wochen nach Fertigstellung des Stücks am 30. September 1995 im Alter von 38 Jahren starb Autor Jean-Luc Lagarce an Aids.

Ab 29.12. in den Kinos

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